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Die wilden 70er

Inhalt

1970 - Ein neues Jahrzehnt

1971 - Hamburger und Proteste

1972 - Neue Wege

1973 - 1975 - Umbrüche

1976 - Der Anfang vom Ende?

1977 - 1978 - Ausklang

1979 - Neue Wellen


1970 - Ein neues Jahrzehnt

1970 war das Jahr, in dem gerade in der Musik alle Zeichen auf Sturm standen. Mit Künstlern wie James Brown und Bob Marley trat der Funk und der Reggea seinen großartigen Siegeszug an. Die Menschen gingen auf die Straße und sagten, gerade in Sachen Politik, wieder unverblümt ihre Meinung und Eric Burdon erklärte musikalisch mit "Declares War" den Krieg und erreichte Platz 18 in den amerikanischen Charts. Der Folk mit Künstlern wie etwa Joni Mitchell oder Simon&Garfunkel rückte in den Hintergrund und daran konnte auch ein Neil Young nichts ändern, der mit Countryelementen versuchte, den Folk wieder nach vorne zu bringen. Die Erben der großen Dinos wie Led Zeppelin sorgten statt dessen für großen Wirbel. Deep Purple, Black Sabbath und Uriah Heep traten mit Alben wie "Black Sabbath", "Deep Purple in Rock" und "Very 'eavy...Very 'umble" aus dem Schatten ins Licht.


1971 - Hamburger und Proteste

1971. Es ist das internationale Jahr zur Bekämpfung des Rassismuss und der Rassendiskriminierung. Es ist das Jahr, in dem in Deutschland der erste MaCDonald seine Pforten öffnet und damit sicherlich nicht gerade zum besseren Gesundheitszustand der Deutschen beiträgt und ... Texas Instruments bringt den ersten Taschenrechner auf den Markt, den sich auch Otto-Normalverbraucher leisten können. Dominant zeigen sich in den Charts vor allem Künstler wie etwa Miguel Ros, Lynn Anderson und Neil Diamond. Aber auch Creedance Clearwater Revival haben einen ganz großen Hit in diesem Jahr. Mit Songs wie "Green River", "Bad Moon Rising" und "Fortunate Son" dominierten sie Ende der 60er die Charts und bringen 1970 mit "Cosmo's Factory" im Juli und "Pendulum" im Dezember 1971 gleich zwei neue Scheiben raus. Obwohl die Band sich bereits ein Jahr später auflöste, kam die Band um die Fogerty Brüder 1993 in die Rock and Roll Hall of Fame. Den einzigen Hit in Deutschland landeten CCR 1971 mit "Hey Tonight", einer Singleauskopplung des Albums "Pendulum", dass bereits vor der Erscheinung über eine Million mal vorbestellt worden war.

 

The Sweet: Die Süßen. Süß waren sie aber nicht wirklich, eher wurden sie so gemacht. Der neue Stil der Band kam nicht nur gut an, sondern begründete auch ein gänzlich neuen Subgenre des Rock, den Glam Rock. An diesen lehnten sich frühere Bands und auch viele Bands aus den 80ern und der Neuzeit an, die den eher melodisch geprägten Rock und Metal spielen. Beispiele aus neueren Tagen hierfür sind HEAT, Reckless Love und natürlich aus den 80ern Bands wie Witness. Was man 1971 noch nicht ahnte war, dass ein Jahr später ein Revival der deutschen Musik folgte. Gerade im Jahr 1972 dominierte wie kaum in einem folgenden jahr wieder die deutsche Musik. Juliane Werding, Bata Illic und natürlich Tony Christie und Tony Marshall hatten 1972 einige Nummer Eins Hits. Beinnahe untergegangen sind da Bands, die sich im Laufe der Jahre etabliert hatten und der Rockmusik neue Züge gaben, die aber entgegen dem Trend deutlich härter waren. Während "Middle Of The Road" sich mit "Sacramento" einen zwitscherte, preschten lautstark The Sweet mit "Little Willy" und nicht zu vergessen "T-Rex" mit "Metal Guru" an ihnen vorbei. Letztere hielten sich immerhin sechs Tage auf Platz 1 der deutschen Charts, wohl auch, weil sie sich ab 1971 mehr dem Glam Rock zuwandten und damit ihre Wurzeln des Psychedelic Rock verließen. Hießen sie zuvor noch Tyrannosaurus Rex und brachten Alben wie das 69er "Unicorn" und das 70er "A Beard of Stars" heraus, waren es dann ab etwa 1971/72 eher Glamalben wie das 71er "The Slider" oder "Tanx" aus dem Jahre 1973.


1972 - Neue Wege

Die New Seekers, ein eher unkonventionell anmutender Song war er, der "Never Ending Song of Love". Landete aber in Deutschland im Jahre 71 immerhin auf Platz 26.

Während man 1972 noch immer dem alten Jahr nachhing, zeichneten sich hierzulande schwerwiegende politische Umwälzungen auf. Willy Brandt, 1972 deutscher Bundeskanzler, musste sich einem Misstrauensvotum stellen, dass er aber überstand. Zum ersten Mal in der Geschichte gingen schwule Bürger auf die Straße und demonstrierten für ihre Rechte. Vor allem die Homoehe stand zu dem Zeitpunkt in der Diskussion. Zwar erhielten sie das Recht erst viel später, aber es waren wegweisende Demos. Ab dem 09. Juni 1972 durften die Menschen in der Bundesrepublik erstmals ab 18 Jahren wählen und gegen Ende des Jahres kam eine Serie ins Fernsehen, die einen unglaublichen Kultstatus erhielt: Star Trek, Raumschiff Enterprise startete mit der ersten von mehr als 700 Folgen. Und Musikalisch?


Tja, nach wie vor war deutsche Musik angesagt. Aber mit einem glammigen "Poppa Joe" und einem fetzigen Kracher namens "Schools Out" machten Bands wie The Sweet weiterhin und Alice Cooper mithin zum ersten mal hierzulande von sich reden.

1964 bereits gründete Alice Cooper, damals noch als Vincent Furnier, seine erste Gruppe "The Earwigs". Die Band war regional bekannt und spielte vornehmlich Beatles-Songs. 1965 änderte die Band ihren Namen und wurde zu "The Spiders". Gespielt wurden weiterhin Coverversionen, in erster Linie von den Stones und den Yardbirds. 1967 änderte die Band abermals ihren Namen und wurde zu "The Nazz". Um Verwechslungen mit der gleichnamigen Gruppe von Todd Rundgren zu vermeiden, erfolgte 1968 die endgültige Umbenennung in "Alice Cooper". Der Erfolg ließ nicht lange auf sich warten und auch wenn bereits zuvor Alben auf den Markt kamen, war "Schools Out" der erste große Erfolg des als Rebell geltenden Cooper in Deutschland.


1973-1975 - Umbrüche

Auch 1973 tat sich mal wieder einiges. Während man heute überhaupt nicht mehr zur Bundeswehr muss, verkürzte sich 1973 der Wehrdienst von 18 auf 15 Monate und während man heute über einen hohen Benzinpreis jammert, stieg der Preis für ein Barrel Öl im Laufe von nur einem Tag um ganze 70% und führte in der Folge zu einigen Sonntagsfahrverboten und immensen Preisanstiegen in Deutschland. Viele Dinge wirken noch bis heute nach. Die Sommerzeit beispielsweise ist eine Reaktion auf die steigenden Energiekosten aus eben dieser ersten Ölkrise.

Die Musik an sich kratzten aber auch diese Umbrüche recht wenig und so sangen sich The Sweet gleich mal zu Beginn des Jahres mit einem weiteren, im wahrsten Sinne des Wortes  "Block Buster" in die deutschen Charts. Überhaupt hatten die Jungs gerade  73/74 einen echten Höhenflug und landeten in der Folge mit "Hell Raiser", "Ballroom Blitz" und "Teenage Rampage" gleich mal drei Nummer Eins Hits bei uns. Und während die Mädels bei den Les Humphries Singers swingten und Holms "Tränen lügen nicht" 1974 selbst Steine zum Weinen brachte, rockten die Jungs ungeniert zu den Klängen einer Frau, die sich in die Charts mogelte und dort sogar einige Wochen berharrte. Suzi Quatro rockte mit "Can The Can" die Hallen und erstmals traten 1974 auch die Jungs von Nazareth auf die deutschen Bühnen. "This Flight Tonight" war eine Coverversion von Joni Mitchells und erschien als Auskopplung des Albums "Loud’n’proud", auf dem die Band um Sänger Dan McCafferty spielerisch leicht, aber verdammt hart und eingängig auftrumpfte und dem Glam eine ordentliche Watchn verpasste, wie man in Bayern so schön sagen würde.

 

Bachman-Turner Overdrive mit ihrem Gassenhauer "You Ain't Seen Nothing Yet" rockte 1975 die Hallen. Davon abgesehen war natürlich ungleich vielen Leuten dieses Bachmanndingens viel zu lang und so machte man das, was man schon bei Creedance Clearwater Revival gemacht hatte: Man kürzte ab und so wurden eben aus den Jings "BTO".

Sollte man nicht glauben, aber die Kanadier, die sich 1970 gründeten, sind noch heute unterwegs. Letztes Jahr im November verstarb leider der Bassist Jim Clench an Lungenkrebs. Er war seit 1970 zusammen mit Randy Bachmann, Chad Allan und Robbie Bachmann in der erstaunlich konstanten Band Mitglied. Auch wenn der dritte Bruder Tim Bachman 74 die Band verließ um als Produzent zu arbeiten, hat sich das Line Up bis heute sehr stetig gehalten und auch wenn das letzte Studioalbum schon einige Jahr her ist, so haben uns BTO im Laufe der Zeit einiges hinterlassen. "You Ain't Seen Nothing Yet" war und ist jedoch nach wie vor der größte Hit und auch der einzige Nummer Eins Hit hierzulande.
Den ersten großen Erfolg hatten die Jungs übrigens schon im Jahre 1968. "Pictures of Matchstick Men" hat auch eine sehr nette, wenn auch etwas fäkale Geschichte. Francis Rossi, der Sänger und Gitarrist der Band sagte dazu einmal: "Ich schrieb ihn auf dem Scheißhaus. Ich hatte mich dorthin zurückgezogen, nicht aus den üblichen Gründen - um zu scheißen und so - sondern um meiner Frau und meiner Schwiegermutter zu entfliehen. Ich ging oft in diese enge, brutzelnd-heiße Toilette und saß dort stundenlang, bis sie endlich das Haus verließen. Drei Viertel des Songs habe ich in diesem Klo fertiggeschrieben, den Rest im Wohnzimmer". Soviel dazu. Soll mal einer sagen, auf dem Klo kommen einem keine Ideen.


1976 - Der Anfang vom Ende

Mit Rockmusik war 1976 in Deutschland kein Blumentopf mehr zu gewinnen. ABBA, Pussycat und deutsche Künstler wie Frank Farian, Udo Jürgens und Peter Alexander liefen sich mit Gassenhauern von Rocky, über "aber bitte mit Sahne" bis hin zu irgendwelchen kleinen Kneipen gegenseitig den Rang ab. Abgesehen von den Süßen Sweet hatte 1976 kaum eine Band auch nur annähernd das Potenzial, diesem Trend entgegen zu wirken. Passend dazu gab es in genau dem Jahr eine Katastrophe nach der anderen. Erst bebte die Erde Anfang des jahres in der Türkei und brachte beinnahe 4000 Menschen den Tod. Dann, am 04. Februar 1976 bebte es erneut. Diesmal in Guatemala. Mit mehr als 23.000 Toten war die Spitze des Eisberges aber noch nicht erreicht, denn nur drei Monate später bebte die Erde in Italien und zog etwa 1.000 Menschen mit sich. Die schlimmste Katastrophe des Jahres 76 aber war ein weiteres Erdbeben. Diesmal schüttelte sich Mutter Erde in der Nähe von  Tangshan, 150 km südlich von Peking. Je nach Quelle war hier von 650-800.000 Opfern die Rede.

 

Einziger Lichtblick in diesen dunklen Tagen schien die Musik zu sein. Queen, so hieß die Band um den überaus charismatischen und über alle maßen herausragenden Sänger Freddie Mercury, der nicht nur gesanglich, sondern auch mit seiner gesamten Ausstrahlung die Bühne für sich einnahm. Bereits 1968 hatten sich Queen als "Smilie" formiert. Im Februar 1969 nahm Smile bei einem Festival in der Royal Albert Hall gemeinsam mit Free, Joe Cocker, der Bonzo Dog Doo-Dah Band und Spooky Tooth teil. Sie spielten dabei u. a. den späteren Queen-Titel "See What a Fool I’ve Been". Die Presse schrieb, ohne ihren Namen zu erwähnen, sie seien "die lauteste Band der westlichen Welt" gewesen. Der Durchbruch kam in den Jahren 70-74 und mit den Alben "Queen", "Queen II", sowie dem 74er Werk "Sheer Heart Attack". Obwohl die ganze Geschichte der Band ein einziger Höhepunkt ist, schafften es Mercury und Co erst 1975 und mit einer Vorabsingle des Albums "A Night at the Opera" ganz nach oben. Die "Böhmische Rhapsodie" war ein unkonventioneller Titel ohne den sonst so typischen Refrain. Dafür hatte der Song alles, was an musikalischen Handwerkzeugen zur Verfügung stand. Von einem A-cappella-Intro über eine Opern-Parodie bis hin zu einem Hard-Rock-Abschnitt war alles dabei, was das Musikerherz begehrte und wohl auch deshalb schaffte es der Song in Australien, Belgien, Großbritannien, Irland, Kanada, Neuseeland, den Niederlanden und Spanien auf Platz eins und blieb alleine in Großbritannien neun Wochen Nummer Eins. Hier in Deutschland landete Bohemian Rhapsody immerhin auf dem siebten Platz und verschaffte der Rockmusik zumindest einen kleinen Lichtblick.


1977-1978 - Ausklang

Auch die nachfolgenden Jahre 77 und 78 brachten in Sachen Rock wenig hervor. Und während einer, oder der große Mitbegründer der späteren Rockmusik, Elvis Presley endgültig von der großen Bühne des Lebens schied, name der Einfluss des Glam ab und die Popmusik griff immer mehr um sich.
Bands wie Status, Nazareth und Co waren nicht mehr gefragt und dümpelten eher als Nischengenres dahin. Einige Bands wie etwa Queen und Genesis fanden ihren Weg irgendwo dazwischen. Sie verbanden alte Rockmusik, besonders aus den Bereichen des Progressive Rock und des Glamrock miteinander und schufen so poluläre Musik, die auch für Radios tauglich wurde. Mehr oder weniger in Verruf geriet der Rock vor allem durch Skandale, die von Altrockern wie beispielsweise Keith Richards verursacht wurden. Bei ihm fand die Polizei, in einem von einem Unfall völlig demolierten Auto Kokain und das Gericht verurteilte ihn zur Zahlung von 750 Pfund. Wenige Monate später klagte man ihn erneut an, diesmal wegen des Besitzes von LSD. Verurteilt wurde er jedoch aufgrund Mangel an Beweisen nicht. Auch Alice Cooper unterzog sich einer Entziehungskur, um vom Alkohol los zu kommen.

Erfreuliche Nachrichten kamen aber endlich auch mal wieder aus dem Rocklager. Nun gut, der Stil der bereits 1964 gegründeten Band Pink Floyd lässt viel Spielraum offen, wird aber oftmals in Richtung Psychedelic, Artrock oder aber auch dem sehr sehr unbekannten Space Rock zugeordnet, der vor allem durch Pink Floyd und die 69 gegründeten Hawkwind geprägt ist. 1977 eröffneten Pink Floyd in Miami ihre viel beachtete "Animals-Tour" und zogen mit dieser tausende begeisterte Fans in ihren Bann. Mit gleich zwei Alben beehrte uns 1977 eine Band, die es zu diesem Zeitpunkt bereits einige Jahre gab und die wir heute schon einmal eingangs der Sendung gehört haben. Mit "Very 'eavy...Very 'umble" ging es 1970 los. Lady in Black und Gypsy verschafften ihnen Weltruhm und mit "Innocent Victim" und "Firefly" kamen 1977 weitere Alben von Uriah Heep auf den Markt.


1979 - Neue Wellen

Während man 1979 die ausgehenden 70er Jahre erwartete, luden Bands wie die Village People, Boney M. und Dschingis Khan die Menschen zu Tanzen ein und läuteten zugleich eine neue Ära der Musik ein. Die spätere NDW zeichnete sich ab und die Popmusik der 80er Jahre war schon jetzt zu spüren. Und die Rocker? Die richteten sich auf ein Nischendasein in den 80ern ein. Die Hochzeit der Bewegung nahm ihr Ende und begnügte sich mit wenigen Highlights, die nicht wirklich an die große Öffentlichkeit drangen. Ende 1978 hatte sich heraus kristallisiert, dass eine Band, deren größte Erfolge noch kommen sollten, von nun an zu dritt unterwegs sein würden: Genesis. Nachdem man sich unter dem Sänger und Drummer Phil Collins neu geordnet hatte, brachte man 1978 das bezeichnende Album "And Then There Were Three" heraus. Collins, Rutherford und Banks sollten in den Folgejahren Erfolg auf Erfolg erzielen und sich in der Szene einen festen Namen machen; trotz all der populären Popmusik.


 

60er Jahre # 70er Jahre # 80er Jahre # 90er Jahre # Neuzeit