1960 - Musikalischer Wandel
1961 - Swing, Boogie und Rock N Roll
1962 - Der Aufstieg der "Pilzköpfe"
1963 - Hyterische Massen
1964 - Wie man als Brite die deutschen Charts erobert
1965 - Der Aufstieg der Stones
1966 - Von Affen, Gefunkel und Jesus
1967 - Die Psychodelischen
1968 - Die Geburt der "Großen" und ... ein weißes Album
1969 - Technologischer Fortschritt und kritische Stimmen
Blasse Haut, kräftiger schwarzer Lidstrich und natürlich Mascara. Dazu ein Tulpenrock und natürlich nicht zu vergessen: Die überlange Perlenkette. Das war die modische Erscheinung eines neuen Jahrzehnts, wie so oft geprägt durch die großen Pariser Modenschauen.
Während sich die Damenwelt schon mal auf Kommendes einrichtete, startete auf der anderen Seite des Ozeans ein Mann so richtig durch, den man auch hierzulande bereits kannte: Elvis Presley. Mit dem englischen Pendant zu "oh sole mio", nämlich "it’s now or never", hielt er sich mehr als acht Wochen in den US-Charts auf. Auch hierzulande wurde der Song ein großer Hit, bei dem es nicht bleiben sollte. "Stuck on you" und "Are you lonesome tonight" positionierten sich ebenfalls in den Charts und hielten sich hartnäckig.
In Deutschland indes kam von dem Rock N‘ Roll erstaunlich wenig an. Zwar kreischten allerorten Teenys und junge Mütter zu den Hits des "King of Rock N‘ Roll", die Charts aber dominierten vor allem deutsche Künstler. Rocco Granata, Lale Andersen, Peter Alexander, Freddy Quinn und Heidi Brühl sangen sich mit ihren Songs in die Herzen der Fans. Der "Banjo Boy" und der "Itsy Bitsy Tenie Weenie Honolulu-Strand-Bikini" waren angesagt.
Aber: 1960 war das Jahr der Wende für den Rock. In der Hansestadt Hamburg holte ein Mann namens Bruno Koschmider einige Jungs auf die Bühne. Diese jungen Männer, die sich erst wenige Wochen zuvor gegründet hatten, rockten in den folgenden Tagen und Wochen die "Große Freiheit" und verhalfen auf den Tanzflächen des "Indra Clubs" dem Rock zum großen Durchbruch: Die Beatles.
Die Welt und vor allem die Deutschen halten in diesem Jahr den Atem an: Nachdem noch zwei Monate zuvor Walter Ulbicht während einer Pressekonferenz bekräftige, dass niemand die Absicht habe, eine Mauer zu bauen, begannen im August Soldaten der NVA mit der Abriegelung der Ostsektoren. Die Mauer, die 28 Jahre lang die Deutschen in Ost und West voneinander trennen sollte, wurde gebaut. Als wäre das noch nicht genug, bekam der Westen gleich den nächsten Schlag versetzt. Mitten in der Hochphase des kalten Krieges hatte Kennedy erklärt, dass er noch vor Ende des Jahrzehnts einen Menschen auf den Mond bringen wollte. Das Ziel war hochgesteckt und so traf es vor allem die Amerikaner hart, dass am 12. April 1961 der Russe Juri Gagarin als erster Mensch in den Weltraum flog.
Es war schon so was wie ein kleines Wunder, als 1961, praktisch über Nacht, eine Griechin in Deutschland zum Superstar wurde. Die "weißen Rosen aus Athen" von Nana Mouskouri verkauften sich sagenhafte 1,5 Millionen mal und war damit auch eine der ersten Platten, welche diese Verkaufszahlen erreichte. Deutlich erfolgreicher war auf der anderen Seite des Globus jedoch das Label "Motown Records". Die Macher hinter dem Label bewiesen mit der Verpflichtung der Gruppe "The Supremes" und "The Miracles" ein feines Näschen. Alleine der Hit "Shop Around" verkaufte sich Millionenfach und war damit auch der erste wirkliche Superhit in den USA.
Derweil hatte Frank Sinatra, der 1961 schon unzählige Hits für sich beanspruchen konnte, genug von anderen Labels. Er gründete kurzerhand "Reprise Records" und nahm in den folgenden Jahren Künstler wie "The Beach Boys", "The Kinks", "Jimi Hendrix" und "Ella Fitzgerald" unter Vertrag. Es sollte aber nicht bei diesen Künstlern bleiben, denn auch in den folgenden Jahren bewies das Label mit der Verpflichtung von Bands und Künstlern wie "Depeche Mode", "Fleetwood Mac", "New Order", R.E.M." und "Green Day" ein Gespür für Musik.
Die deutschen Charts dominierten 1961 neben bereits erwähnter Nana Mouskouri vor allem Ralf Bendix und sein "Babysitter Boogie", Gus Backus, Bill Ramsey und die Blue Diamonds. Vor allem letztere zeigten einmal mehr, dass ein guter Hit nichts zwangsläufig auch weitere nach sich ziehen muss. Die Niederländer waren gute drei Jahre zusammen und nachdem mit "Ramona" 1960 und 1961, der erste und einzige Hit gelandet war, ging auch sehr schnell die Luft aus.
Nicht unerwähnt bleiben dürfen an dieser Stelle natürlich internationale Künstler wie etwa Ben E. King, der 1961 mit seinem "Stand By Me" wahre Euphorien auslöste, oder Del Shannon mit seinem "Runaway", gefolgt von Chubby Checker mit "Let’s Twist Again". Waren Frank Sinatra, Dean Martin und Sammy Davis Junior bereits für sich alleine gesehen Garanten für Hits, starteten sie zusammen ab etwa 1960 als "Rat Pack" richtig durch. Ursprünglich waren sie nie als solche Formation geplant, sondern ergaben sich eher spontan. Die drei Künstler traten vor allem in Las Vegas gemeinsam auf und veranstalteten dabei Shows, deren Inhalte zwischen Kabarett und Musikshow schwankten. Die Auftritte der "Rattenmeute" war rasend schnell ausverkauft und wurde in der Folge als sogenanntes "The Summit", das "Gipfeltreffen" weltbekannt.
Gleich zu Beginn des Jahres machte ein Label, das in den frühen 30er Jahren gegründet worden war, einen historischen Fehler. Bei einem Vorspielen traten zwei Bands auf: "Brian Poole & The Tremeloes" und die "Beatles". Das Label entschied sich für erstere und nannte als Begründung, dass ihnen der Sound nicht gefiele und Gitarrenmusik ohnehin am Aussterben sei. Die junge Combo aus Liverpool unterzeichnete anschließend einen Vertrag beim deutschen Label Polydor. Das Pech verfolgte die "Beatles" in ihren ersten Tagen jedoch weiter. Nachdem man ihnen den Plattenvertrag verweigert hatte, verloren sie auch noch ihren Bassisten Stuart Sutcliffe, der in einem Hamburger Krankenhaus an Hirnblutungen verstarb. Nach der Unterzeichnung des Vertrages bei Polydor wurde Drummer Pete Best durch Ringo Starr ersetzt und somit die kommende Erfolgsformation vollendet. Noch im Oktober des gleichen Jahres erschien unter dem neuen Label die Single "Love Me Do", am 22. August 1962 spielten die Beatles ihr erstes Konzert im Cavern Club vor einem Fernsehteam und zu Sylvester das letzte Mal im berühmten Star-Club in Hamburg.
1962 gilt aber nicht nur für die Beatles als das Jahr der Gründung, sondern auch für eine weitere Band, die in den folgenden Jahren die Rockmusik maßgeblich prägen sollte. Im März diesen Jahres besuchten zwei junge Männer namens Mick Jagger und Keith Richards den Jazzclub "Earling". Dieses Treffen gilt gemeinhin als die Initialzündung zur Gründung der "Rolling Stones".
Die 60er Jahre waren gemeinhin ein Jahrzehnt der musikalischen Superlativen. Nicht nur die Beatles und die Stones, sondern auch Künstler, die sich dem Blues und Jazz verschrieben hatten, kamen groß heraus. Verantwortlich dafür waren unter anderem Festivals wie das "American Folk Blues Festival" in England, welches diese Art der Musik auch in Europa populär machte.
In den vergangenen Jahren hatte sich Elvis Presley in den Charts ein wenig zurück gezogen. 1962 aber kam er mit "Return To Sender" und "Good Lucky Charm" noch einmal eindrucksvoll zurück. Ebenfalls nicht unerwähnt bleiben darf an dieser Stelle der große Erfolg des seit dem fünften Lebensjahr erblindeten Musikers Ray Charles. Von Null auf Platz Eins sprang 1962 sein Song "I Can’t Stop Loving You".
International gesehen war 1963 DAS Jahr der Beatles. Gleich zu Beginn des Jahres tourten die Jungs durch Schottland, um ihre neue Single "Love Me Do" zu promoten und fast alle Konzerte waren in kürzester Zeit ausverkauft. Oftmals mussten die Sanitäter vor Ort eingreifen und ohnmächtige Teenies aus den hysterisch kreischenden Massen befreien. Von diesem unglaublichen Erfolg beflügelt, wurde noch im Januar die Single "Please Please Me" in Großbritannien veröffentlicht, die es bis auf Platz zwei der Charts schaffte. Alle nun folgenden Singles bis ins Jahr 1969 hinein, sollten zumindest in einem der Veröffentlichungsländer den ersten Platz erreichen. Den Anfang machte im April "From Me To You", gefolgt im August von "She Loves You". Als dann im März 1963 mit "Please Please Me" das erste Album der Beatles auf dem Markt erschien, gab es kein Halten mehr. Die Fans stürmten regelrecht die Plattenläden und lösten eine unglaubliche Hysterie aus, die bis 1970 anhalten sollte und der Gruppe sagenhafte 12 Nummer Eins Alben einbringen sollte. Wohlgemerkt: Von insgesamt 14 veröffentlichten Alben bis 1970!
Bis man hier in Deutschland von dem "Beatles-Virus" auch in den Charts etwas merken sollte, würden noch einige Jahre vergehen. Hier kreischten zwar auch die Massen bei Auftritten der Band, den Verkaufszahlen deutscher Künstler wie Freddy, Manuela und Gitte taten sie jedoch nicht weh. Das sollte sich auch im kommenden Jahr nicht ändern, auch wenn die Beatles 1964 mit "I Want To Hold Your Hand" hierzulande ihren ersten Nummer Eins Hit landeten.
Den Abschluss des Jahres bildete jedoch eine Nachricht, welche, fernab der Musik, die Welt erschütterte. Am 22. November 1963 fuhr der amerikanische Präsident John F. Kennedy in einem offenen Wagen durch Dallas. Es sollte das letzte Mal sein, dass die Weltöffentlichkeit den beliebten Präsidenten lebend sieht, denn gegen Mittag fielen Gewehrschüsse, welche den Präsidenten tödlich trafen.
Auch in diesem Jahr hielten sich die Beatles weltweit hartnäckig in den Charts und schafften es auch erstmals, mit ihrem Hit "I Want To Hold Your Hand" die deutschen Charts zu stürmen. Elvis Presley machte einmal mehr von sich Reden, diesmal allerdings nicht mit Musik, sondern mit seinem inzwischen 14. Film. In "Kissin Cousins" spielte der Kassenmagnet einmal mehr den Sunnyboy und zog Millionen Zuschauer an. Rückblickend waren diese Filme jedoch alles andere als gut. Zwar attestierte man Presley immer wieder das Talent zur Schauspielerei, jedoch richtig einbringen konnte er dies in den Schnulzen nie wirklich. Nach dem Kracher "Blue Hawaii" wurden die Filme auch zunehmend mit immer weniger Drehzeit aufgenommen, was auch an Regisseuren wie Sam Katzman lag, den man in Hollywood nur den "King of the Quickies" nannte.
Musikalisch gesehen waren wie bereits erwähnt, die Beatles ganz groß auf dem Markt. Dies beweist auch eine Aussage des Billboard Magazins aus diesen Tagen, nach der über 60% des gesamten Single-Marktes von den Verkäufen der Beatles-Scheiben dominiert wurde. Da verwundert es natürlich nicht, dass zahlreiche Künstler versuchten, den Jungs aus Liverpool nachzuahmen, auch wenn das nicht mal im Ansatz gelang. Auf der Welle der Liebeslieder der Beatles ritten aber Künstler, denen das dünne Spagat zwischen Nachahmung und eigenem künstlerischen Schaffen gelang. Ein Beispiel hierfür ist Roy Orbison, dem 1964 mit dem Song "Oh, Pretty Woman" ein Welthit gelang. Sogar in dem noch von deutschen Songs geprägten Markt hierzulande landete der Hit auf Platz Eins der Charts und verdrängte im Dezember 1964 sowohl die Beatles, als auch Johnny Rivers "Memphis".
War auch der Stern der deutschen Songs in den Charts am sinken, schaffte es ausgerechnet ein Engländer, zwischen Dezember und Januar 1963/1964 in den Plattenlisten an die Spitze: Cliff Richard. Der Brite war im Juli 1958 entdeckt worden und sprang noch im gleichen Jahr mit der Single "Move It" auf den Rock N‘ Roll Zug auf. Nur ein Jahr später schaffte er es mit den Singles "Livin Doll" und "Travellin Light", seine ersten beiden Nr. 1-Hits in Großbritannien zu landen. Ab etwa 1960 begann Cliff Richard dann, auch auf Druck der Plattenfirma, auf anderen Sprachen Songs zu veröffentlichen. Neben Songs auf Japanisch sang er auch auf Deutsch und konnte hierzulande immerhin drei Nummer 1-Hits verbuchen. 1964 kam er mit "Rote Lippen soll man küssen" und blieb für ganze sechs Wochen an der Spitze der deutschen Single-Charts. Mit "Das ist die Frage aller Fragen", einer deutsche Version von "Spanish Harlem", konnte er diesen Erfolg ein Jahr später noch einmal wiederholen.
500 Deutsche Mark waren 1965 eine Menge Geld, wurden aber in genau diesem Jahr erstmals als einzelner Geldschein unter das Volk gebracht. Während Ludwig Erhard landauf-landab tourt und für Stimmen bei den nächsten Bundestagswahl wirbt und Wolf Biermann in der DDR mit einem Auftrittsverbot belegt wird, hält in der Musikbranche die "Beatlesmania" unvermindert an. Nachdem bekannt wurde das die Pilzköpfe, ganz in der Tradition des großen Elvis Presley an einem Film arbeiten, schlugen die Hysterien neue Wellen. Zwar wurde der Film nie wirklich realisiert, konnte aber dem Verkauf der Platten keinen Abbruch leisten. Das Album "Rubber Soul" und die Singles "Ticket To Ride", "Help!" und "We Can Work It Out" erreichten rund um den Globus die Spitzen der Charts, wurden jedoch hierzulande von Drafi Deutscher, Ronny, Nina Rosso und Cliff Richard von den obersten Plätzen verdrängt.
1961 hatte die britische Schauspielerin und Sängerin Petula Clark bereits in Großbritannien mit dem Song "Sailor" einen Hit gelandet und war sowohl zuvor, als auch in der Folge immer wieder mit Liedern wie "With Your Love" oder "Alone" in die Charts geklettert. 1965 jedoch sorgte ihr Song "Dowtown" nicht nur in Großbritannien, sondern auch hierzulande für einen Ansturm auf die Musikläden. Auch als Überflieger des Jahres 1965 kann man sowohl die "The Righteous Brothers" und "The Temptations" bezeichnen. Sie schafften mit ihren Hits "Unchanied Melody" und "My Girl" weltweit den großen Durchbruch.
Während man 1965 von Größen wie Elvis kaum noch etwas hörte, brachten andere Künstler einer neu aufkeimenden Welle die ersten Skandale. 5 Dollar Strafe mussten die "Stones" zahlen, weil sie gegen eine Wand einer Londoner Tankstelle uriniert hatten. Trotzdem gelang ihnen im gleichen Jahr mit "I Can’t Get No Satisfaction" weltweit der große Durchbruch. Ganz besonderes in Ländern wie Holland, Norwegen und Kanada kamen die Rocker gut an und sorgten insbesondere in den skandinavischen Ländern für einen ungeahnten Hype in Sachen Rockmusik.
Nicht unerwähnt, blickt man auf 1965 zurück, darf an dieser Stelle die Gründung von zwei Bands bleiben, die nicht nur wegweisend in Sachen Rockmusik waren, sondern auch teilweise bis heute von sich reden machen. "Jefferson Airplane" , die insbesondere in den 70ern und frühen 80er Jahren zahlreiche Hits landeten, gründeten sich 1965 unter diesem Namen. Seit 1995, drei Jahre nach der offiziellen Auflösung, sind sie unter dem Namen "Jefferson Starship - The Next Generation" wieder unterwegs. Ebenfalls 1965 gegründet wurde, man höre und staune, in Deutschland, eine Band, deren Name noch heute jedem bekannt ist: Die Scorpions. Sie gehören bis heute zu den erfolgreichsten internationalen Rockbands aus Deutschland mit sage und schreibe 17 Studioalben und 5.000 Konzerten in über 80 Ländern weltweit.
Es war ein schwarzer Tag für den deutschen Fußball und er wird noch heute heftig und kontrovers diskutiert. Am 30. Juli 1966 schoss der englische Spieler Hurst den Ball aus kurzer Distanz gegen die Unterkante der Latte, woraufhin dieser auf den Boden prallte und vom Verteidiger Wolfgang Weber ins Toraus geköpft wurde. Der Schweizer Schiedsrichter entschied nach einer Rücksprache mit dem sowjetischen Linienrichter auf Tor. Es stand in der 101. Minute 3:2 für die Engländer im Endspiel der Fußballweltmeisterschaft. Die Deutschen öffneten in der Folge die Verteidigung, um noch einen Ausgleich zu erzielen und kassierten gleich noch ein Tor. Der Endstand von 4:2 führte zum Sieg der Engländer und in den folgenden Jahren immer wieder zu eben bereits erwähnten Diskussionen.
Künstlernamen sind keine Besonderheit heutzutage. Das war auch 1966 nicht anders. Häufig nennen sich Künstler auch deshalb anders, um Verwechslungen mit anderen Künstlern zu vermeiden. Dies tat 1966 auch David Jones. Dieser hatte immer wieder damit zu kämpfen, dass er mit Davy Jones verwechselt wurde. Dieser war Sänger der amerikanischen Band "The Monkees" und so machte Davis Jones aus seinem Namen kurzerhand David Bowie.
Gleich zu Beginn des Jahres 1966 erlebte der Blues und Soul einen neuen Höhepunkt, als die beiden Schulfreunde Paul Simon und Art Garfunkel die Single "The Sound Of Silence" veröffentlichten.
Traurigkeit machte sich indess bei den Fans der "Animals" breit. Nach nur sieben Jahren stand die Band nach einem großen Bruch vor dem Aus. In der "Ed Sullivan Show" traten die Jungs am 17. April noch einmal auf, was dem Sender hohe Einschaltquoten brachte. In der Folge trennte sich die ursprüngliche Band. Chas Chandler produzierte von nun an "The Jimi Hendrix Experience" und Eric Burdon nahm ein Solo-Album auf, dessen Auskopplung "Help Me Girl" sich noch einmal außerordentlich gut verkaufte. Es war aber nicht das endgültige Aus der Band, denn Eric Burdon stellte kurz darauf eine neue Kombo auf die Beine und tourte bis zur offiziellen Auflösung zwei Jahre später als "Eric Burdon & The New Animals" unter anderem durch Deutschland und Australien.
Schon in den Jahren zuvor hatte es unter den Mitgliedern der Beatles immer wieder Spannungen gegeben. 1966 standen die Jungs dann im Rahmen eines Konzertes zum letzten Mal auf einer britischen Bühne. Für Aufregung hatte bereits im Vorfeld die Veröffentlichung des Albums "Yesterday and Today" gesorgt, welche die Beatles inmittem von rohem Fleisch und zerbrochenen Puppen auf dem Cover gezeigt hatte. Nach harten Protesten der Öffentlichkeit wurde das Album vom Markt genommen und mit einem neuen Cover versehen. Ein weiterer Skandal schaffte die Aussage von John Lennon im Rahmen eines Interviews mit dem "Evening Standard". Er sagte mit Bezug auf die Beatles, dass diese inzwischen populärer seien als Jesus. In der Folge boykottierten zahlreiche Radiostationen die Songs der Beatles und in streng-christlichen Teilen der USA wurden gar Alben der Gruppe öffentlich verbrannt.
Nach Konzerten in Deutschland kam es in Manila zu einem weiteren Eklat. Zwei Konzerten vor über 80.000 Zuschauern sollte ein Abendessen mit der phillippinischen Diktatoren-Gattin folgen, was die Gruppe jedoch ablehnte. Noch auf dem Flughafen kam es dann mit den dortigen Sicherheitskräften zu einer Rangelei, in deren Folge Ringo Starr nach einem Kinnhaken zu Boden ging. Im August 1966 absolvierten die Beatles dann ihre inzwischen vierte US-Tournee und fühlten sich nach den Vorkommnissen in Asien und der Tatsache, dass durch den enormen Lärmpegel des Publikums kaum noch ihre Musik zur Geltung kam, zunehmend unwohler. Auch wenn die Band unter Trennungsgerüchten litt und in der Folge einen radikalen Imagewandel durchmachte, wurde weiterhin an neuen Aufnahmen gearbeitet.
1966 gründete sich, fernab der Stones und Beatles, die Gruppe "Cream". Sie gilt, trotz ihrer nur zwei Jahre dauernden Bandgeschichte, bis heute als die erste Supergroup der Rockmusikgeschichte. Die Bandmitglieder Eric Clapton, Jack Bruce und Ginger Baker spielten mit einer Mischung aus Blues, Hard- und Psychadelic Rock Hits wie etwa "I Feel Free" und "Dance The Night Away".
Ein wenig abseits der rockigen Seite der Musik machten wieder einmal die bereits 1961 gegründeten "Beach Boys" von sich Reden. Im Mai des Jahres 1966 veröffentlichten sie ihr 12. Studioalbum "Pet Sound", dass bei den Fans einschlug wie eine Bombe und in Großbritannien Platz zwei der Alben Charts erreichte.
Peter Alexander trällert ganz weich "verbotene Träume", die Bee Gees hauchen sich mit "Massachusetts" in die deutschen Charts und … tja. Die Rockmusik befindet sich auf dem Vormarsch. 1967 veröffentlichen die Beatles ihr, als erstes Konzeptalbum der Popmusikgeschichte geltende "Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band" und ziehen mit "Magical Mystery Tour" gleich noch einen Soundtrack zum gleichnamigen Film nach. Sie ziehen mit "Penny Lane" und "All You Need Is Love" in die deutschen Charts ein, gefolgt vom rockig-schmusigen Überflieger "A Whiter Shade Of Pale" von Procol Harum, der damit gänzlich neue Klänge in die Musikwelt einziehen lässt.
Im März 1967 beginnt mit der spektakulären Tour von Jimi Hendrix, der zusammen mit den "Walker Brothers", Engelbert Humperdinck und Cat Stevens unterwegs ist, eine neue Ära der Shows. Seine inzwischen berüchtigt gewordene Entzündung der Gitarre nimmt hier ihren Anfang. Freilich nicht ohne kleinen Zwischenfall, denn sehr zur Freude der Gegner Hendrix verbrennt er sich beim anzünden der ersten Gitarre festlich die Hände. Dennoch schafft er hiermit ein neues Markenzeichen und ist Vorbild für viele andere Bands, die in den folgenden Jahren ähnlich destruktive Mittel an den Tag legen. Ein weiteres Beispiel hierfür sind sicherlich "The Who", die sich drei Jahre zuvor in England gegründet hatten und schon seit ihrer Gründung als "Radau-Combo" verschrien waren. Sie spielten schon von Anfang an in strengem Kontrast zu den Beatles die harten, aggressiveren Varianten des Rock ein und hatten damit schließlich 1965 auch Erfolg. Das Album "My Generation" und die Auskopplungen "My Generation" und "The Kids Are Alright" schafften weltweit den Sprung in die Charts. Destruktiven Charakter hatten die Konzerte von "The Who" schon immer gehabt, was leider auch in den Jahren 67/68 zu finanziellen Problemen führte. Charakteristisch für "The Who" war, dass sie nach etwa fünf gespielten Stücken damit begannen, ihre Bühne auseinander zu nehmen. Kostspieliges Unterfangen für ein wenig Spaß, dass die Jungs aber heute eher mit Humor nehmen.
Destruktiv war nicht die Musik, sondern eher die Besucher einer Show in Ottawa 1967. Eigentlich waren sie gekommen, um Eric Burdon & The Animals zu sehen. Die kamen aber nicht, weil sich der Veranstalter weigerte, die Gage im Voraus zu zahlen. Die aufgebrachte Menge verursachte in der Folge Schäden in Höhe von 5.000 Dollar.
Ganz neue Maßstäbe setzten derweil die Jungs von "Pink Floyd" in Großbritannien. Sie setzen in ihrer "psychadelischen Phase" neue Meilensteine in Sachen Rockmusik und schufen Werke wie das 67er Album "The Piper At The Gates Of Dawn", das erste Album der Band und auch einzige, welches mit dem Gründer von "Pink Floyd", Syd Barrett entstand. Der Titel des Albums ist, ähnlich wie auch der Inhalt mit seinen kindlichen Erzählungen über Zwerge, Märchen und futuristischen Visionen über den Weltraum, eine Anlehnung an das 1908 von Kenneth Grahame veröffentlichte Buch "Der Wind in den Weiden". Während viele Titel des Albums noch sehr stark von Einflüssen der Beatles und der Byrds geprägt sind, zeigen sich an Titeln wie "Scarecrow" und "Bike" Ansätze bizarren Humors.
In der aufkeimenden Welle des Psychadelic-Rock bleibt es natürlich nicht aus, dass sich neue Bands gründen. So formieren sich 1967 unter anderem die "Stooges", deren aggressiver Stil in den kommenden Jahren maßgeblichen Einfluss auf die Entwicklung des Punkrock haben wird und die Band "Status Quo". Diese waren eigentlich bereits seit etwa 1962 als Schülerband unterwegs. Der Name "The Scorpions" wurde, sehr zum Glück der 1965 gegründeten gleichnamigen deutschen Band, mehrfach geändert. Ebenso das Lineup, bis dann ab 1967 die ersten richtigen Erfolge kamen. Inspiriert von Jimi Hendrix entstand schließlich "Pictures of a mastick men", der mitten in die psychadelic-geprägte Flowerpop-Ära stieß und der Band in der Folge den Durchbruch brachte.
1968 gilt unter Fans der Rockmusik gemeinhin als das Jahr der großen Gründungen.
Begonnen hat es zunächst einmal sehr spektakulär mit einer Prügelei. Jimi Hendrix prügelte sich sehr rockerlike mit seinem Bassisten und wurde in der Folge inhaftiert. Zwar verlieh man ihm im gleichen Jahr ein Ehrendiplom und überreichte ihm den Schlüssel zur Stadt Seattle, aber seine große Zeit war beinnahe abgelaufen, während die der anderen erst kommen sollte.
Nach wie vor das Maß aller Dinge waren die Beatles. Ihr Hit "Hey Jude", aus der Feder von Paul McCartney beschreibt das Leben von John Lennons Sohn Julian nach der Trennung seiner Eltern. Die Single wird zur erfolgreichsten Beatles-Single überhaupt und toppt alle bisher dagewesenen Verkaufszahlen. Das im November des Jahres erschienene, sogenannte "White Album" ist das einzgige Doppelalbum der Band und markiert einen weiteren Meilenstein. Die Stücke an sich sind in diesem Album inhaltlich kaum zusammenhängend, bilden aber nicht die sonst bei solchen Aufnahmen übliche Stille zwischen zwei Songs. Leider waren schon die Aufnahmen zu diesem Album vom drohenden Zerfall der Beatles geprägt. Ringo Starr sah sich als fünftes Rad am Wagen und verließ die Aufnahmen für mehrere Wochen, um in Sardinien Urlaub zu machen. Erst nach zahlreichen Postkarten und Blumen der anderen Bandmitglieder kehrte er zu den Aufnahmen zurück. Ebenfalls immer öfter bei Aufnahmen der Beatles mit dabei war Yoko Ono, die Frau von John Lennon. Die beiden hatten sich zwei Jahre zuvor kennen gelernt und wollten nach der Trennung von ihren Partnern im folgenden Jahr heiraten. Nach der Trennung der Beatles schrieb man Yoko Ono eine gewisse Mitschuld zu, nahm sie doch immer mehr Einfluss auf Lennon, der sich nun auch weiter anderen musikalischen Einflüssen widmete.
Mit der Gründung der Band "Led Zeppelin", die aus den "Yarbirds" hervorgegangen waren, wurde ein weiterer musikalischer Meilenstein gelegt. "Led", wie die Fans die Band oft liebevoll nennen, verkauften beinahe annähernd so viele Platten wie die Beatles und schufen im Laufe der 27-jährigen Bandgeschichte zahlreiche Werke, die noch heute als Meilensteine der Rockmusik gelten. Zudem begeisterte die Band durch ein, in der Geschichte der Musik ebenfalls ungewöhnliches, stetes Lineup der Band. Mit Robert Plant, Jimmy Page, John Paul Jones und John Bonham waren bis 1980 alle Mitglieder unverändert in der Band. Als 1980 John Bonham tot in seinem Zimmer aufgefunden worden war, löste sich die Band auf.
Noch im gleichen Jahr wurden weitere, prägende und bis in die heutigen Tage bekannte Bands aus der Taufe gehoben. So gründeten sich 1967 unter Sänger Dan McCafferty, dem Gitarristen Manny Charlton , dem Bassisten Pete Agnew und dem Schlagzeuger Darrel Sweet die Band Nazareth. Zusammen mit den ebenfalls 1968 gegründeten Black Sabbath, Led Zeppelin und Deep Purple gelten sie als maßgebliche Vorreiter und Wegbereiter des Hardrock. Auch die wenig später, im Jahr 1969 gegründeten Uriah Heep gehören zur ersten Generation des Hardrock. Alle diese, 1968 gegründeten Bands legten den Grundstein für den Hardrock und den später daraus entstandenen Heavy Metal.
Ebenfalls nicht unerwähnt bleiben darf für das Jahr 1968 die Gründung der Band "The Sweet", die in den 70er Jahren für Furore sorgen wird und den Grundstein für den Glamrock legen wird und natürlich die Gründung von "REO Speedwagon". Diese gehören mit Hits wie etwa "Keep On Loving You" und "Can’t Fight This Feeling" zu den heute bekanntesten Vertretern des Adult Oriented Rock.
Nach wie vor trällerte sich Heintje in die deutschen Herzen und brachte mit seiner Stimme selbst Steine zum Weinen. Gleiches schaffte Peter Alexander hierzulande mit Songs wie "die kleine Kneipe" und seinem Hit aus dem Jahre 1969 "Liebesleid". Aber trotz dieser eher als Ausreisser geltenden Songs, brach sich die Rockwelle auch in Deutschland Bahn und brachte den Beatles noch einmal kräftige Hits wie etwa "Ob-la-di Ob-la-da", "The Ballad Of John & Yoko" und "Come Together" ein. Am 2. Januar 1969 begannen in den Londoner Twickham Studios die Dreharbeiten für die Musik-Dokumentation "Get Back", die später als "Let It Be" in die Kinos kam und den Beatles einen Oscar für die Filmmusik einbrachte. Während dieser Dreharbeiten kam es erneut zu heftigen Spannungen innerhalb der Band, die im Verlauf immer weiter eskalierten. Lennon ließ immer öfter Yoko Ono für sich sprechen, George Harrison und Ringo Starr debattierten übe die geplanten Live-Shows und schließlich verließ Harrison das Studio, nachdem McCartney ihn vor laufender Kamera für sein Gitarrenspiel kritisiert hatte. Nach einem klärenden Gespräch gingen die Arbeiten noch einmal weiter und wurden schließlich auch beendet und gipfelten schließlich am 30. Januar im inzwischen legendären Auftritt auf dem Dach der "Apple-Studios". Hier spielten die Beatles ein Open-Air, dass nach nur 42 Minuten von der Polizei abgebrochen wurde, weil sich einige Anwohner aufgrund des Lärms belästigt fühlten.
Nur wenige Monate später, am 20. September 1969 unterzeichneten Lennon, McCartney und Starr einen neuen Vertrag beim EMI und Capital Records, während dem McCartney eine Reihe neuer Beatles-Konzerte vorschlug. Er wurde jedoch von Lennon ausgebremst, der hiermit seinen Ausstieg aus der Gruppe bekannt gab. Nur sechs Tage später veröffentlichten die Beatles ihr berühmtes Album "Abbey Road", auf dessen Cover die Mitglieder der Band über den Zebrastreifen der Abbey Road laufen. Die LP endet mit einem Stück, dass den Titel "The End" trägt. Es war das offizielle Aus der Band, welche weltweit Hysterie auslöste.
Nichts Neues und auch wenig überaschend war 1969 die erneute Auflösung von "Eric Burdon & The New Animals", die in der Zwischenzeit jedoch noch einmal mit Songs wie "San Franciscan Nights", "Good Times"," Monterey", "Sky Pilot" und "Ring of Fire" einige Hits verbuchen konnten.
Der Überflieger des Jahres 1969 kam aber aus einer anderen Richtung. Die im gleichen Jahr gegründete Band "Zager and Evans", die aus dem Gitarristen Denny Zager und Rick Evans bestand, landete gleich mit der ersten Single "In the Year 2525" einen Nummer-Eins Hit, der allerdings auch der einzige Hit der Band bleiben sollte. Das nachfolgende Album "2525" kam an diesen Erfolg nicht heran. "In the Year 2525" gilt heute als das erfolgreichste One-Hit Wonder aller Zeiten und wurde dementsprechend oft gecovert.
Im Zuge der Manie, ausgelöst durch die Beatles, die Stones und neu aufkommende Wellen des Rock und vor allem des Psychadelic Rock, war ein Mann gänzlich im Untergrund verschwunden: Elvis Presley. Der "King of Rock ’n’ Roll", bekannt und in den 50ern schnell zu Ruhm gekommene Sänger entwickelte sich zunehmend zu einer Bühnenpersönlichkeit und zum Vorbild für heutige Entertainer. Die späten 60er und die Jahre bis zu seinem Tod im Jahre 1977 standen ganz im Sinne der Liveshows, von denen er alleine zwischen 69 und 77 über 1.100 absolvierte. Er war nie weg, geriet aber dank der auch durch ihn ausgelösten Musikbewegungen, zunehmend in den Hintergrund.
60er Jahre # 70er Jahre # 80er Jahre # 90er Jahre # Neuzeit