1990 - Der Beginn eines neuen Jahrzehnts
1991 - Eine neue Bewegung schlägt Wellen
1992 - Der Grunge ist nicht aufzuhalten
1993 - Viel Wirbel um Nichts
1994 - Der Punk ist tot - es lebe der Punk
1995 - Schlagzeuger und neuer Rock
1996 - Skandale, ein unerwünschter Besuch und neue Rockklänge
1997 - Tops und Flops
1998 - Streiks und Streits
1999 - Terror durch Musik?
Mit blondierter Stachelfrisur und geballter Faust wurde er zur Ikone einer ganzen Generation. Ende der 80er Jahre folgte, wie bei so vielen Musikern, jedoch ein tiefer Fall. Gleich zu Beginn des neuen Jahrzehnts wurde die Musikgemeinde von der Nachricht geschockt, dass Billy Idol bei einem schweren Motoradunfall beinahe ums Leben gekommen wäre. Der Zustand ist kritisch, aber er überlebt. Mithin ein Umstand, der ihn in der Folge nachdenken und einen Entzug machen lässt.
Die Rolling Stones beginnen gleich im Februar mit ihrer Tournee durch Japan, begeistern unzählige Fans und machen sich dadurch eine festen Namen im asiatischen Raum. Am 24. Januar des Jahres kommt es zu einer eher unvorhergesehenen Wiedervereinigung. Die Gruppe "The Byrds", die sich zwischen 1964 und 1973 mit einer Mischung aus Country, Folk und Rock und Hits wie "Mr. Tambourine Man", "Turn Turn Turn" und "Eight Miles High" einen Namen gemacht hatten, sind wieder da. Es war die inzwischen dritte Wiedervereinigung, allerdings ohne Gene und Michael Clarke. Es entstanden noch einmal einige Studioaufnahmen und ein Konzert. Ein Jahr später trafen sich noch einmal alle fünf Gründungsmitglieder anlässlich ihrer Verewigung in der "Rock and Roll Hall of Fame".
Wie viel ist eine Gitarre wert? Diese Frage konnte 1990 beantwortet werden: 295.000 US-Dollar. Zumindest dann, wenn sie von Jimi Henrix gespielt wurde. Die Fender Gitarre, welche er beim legendären Woodstock-Konzert benutzte, ging für diese gigantische Summe über den Tisch. Für einen Lacher sorgte einmal mehr ein Mitglied der Band Mötley Crue. Tommy Lee wurde nach einem Konzert verhaftet, weil er während des Auftritts seinen Hintern entblößt hatte. Ein weiterer Skandal umwitterte die Heavy Metaller von "Judas Priest". Diese wurden verklagt, nachdem sich zwei Jugendliche in Nevada das Leben genommen hatten und die Band für diese Selbstmorde verantwortlich gemacht wurden. Ein Gericht befand die Band jedoch für unschuldig.
Die größte Tragödie des Jahres 1990 jedoch war der Tod von Rockgitarrist Stevie Ray Vaughn. Er kam bei einem Hubschrauberabsturz ums Leben. Nach einem Konzert hatte er diesen kurzentschlossen bestiegen. Der Hubschrauber stürzte kurz nach dem Start im dichten Nebel ab und riss neben Vaughn auch den Pilot und drei Crewmitglieder von Eric Clapton mit sich.
Neben den Tragödien gab es natürlich auch 1990 wieder einige Neugründungen, welche die Metalszene in den kommenden Jahren bereichern sollten: "My Dying Bride" wurden gegründet und "Alice in Chains" veröffentlichten ihr beachtliches Erstlingswerk "Facelift".
Die Rockmusik wurde in den Jahren zuvor immer härter. Große Metalbands gründeten sich und brachten Alben auf den Markt, die schnell eine große Fangemeinde anzogen. Anfang des Jahres 1991 kam allerdings eine neue Euphorie auf, die sich von den USA ihren Weg rund um die Welt Bahn schlug. Das meistbeachtete und bis heute als Kultalbum bekannte "Nevermind" der Band Nirvana mit Superhits wie "Smells Like Teen Spirit" riss nicht nur die Fans, sondern auch zahlreiche Bands wie etwa "Pearl Jam", "Alice in Chains" und "Soundgarden" mit sich auf die neu aufgekommene Grunge-Welle. Der Stil dieses neuen Genres beruhte auf dem Glam-Metal der vergangenen Jahre und löste einen unglaublichen Hype aus.
Eine der großen Gewinnerbands des Jahres 1991 aber war nicht Nirvana, sondern die bereits 1985 gegründeten Guns N‘ Roses. Nach der kommerziell wenig erfolgreichen Veröffentlichung der beiden Aben "Appetite for Destruction" 1987 und "G N‘ R Lies" 1988 folgten 1991 in kurzer Folge "Use Your Illusion I und II". Beide Scheiben verkauften sich bis heute mehr als zehn Millionen Mal und hoben die Band in der Folge in den Olymp der Metaller.
Ein wenig geschockt waren die Fans der Band Metallica. Hatten diese zuvor mit Kultalben wie "Kill Em All" und "Master Of Puppets" die Massen begeistert, folgte 1991 das sogenannte "Black Album" mit Namen "Metallica", in Anspielung auf das "White Album" der Beatles aus dem Jahre 1968. Das Album konnte erst nach mehrmaligem Hören wirklich überzeugen, dennoch erreichte die Band in diesem Jahr viele Menschen, die bisher eigentlich dem Metal ferngeblieben waren. Das zeigte sich insbesondere bei einer Tour , wo alleine in Moskau gut eine halbe Million Menschen zum Konzert erschienen.
Nachdem 1991 neben der Grunge-Welle auch der aufkeimende Hip Hop dem Rock das Leben schwer machte, sorgte eine weitere, schockierende Nachricht für den langsamen, aber steten Abstieg des Genres. Schon lange kursierten die Gerüchte, aber im November des Jahres wurden sie dann leider zur traurigen Gewissheit: Freddy Mercury verstarb und verlor seinen Kampf gegen die neue, globale Seuche Aids. In der Folge der Nachricht schoss "Bohemian Rhapsody" nach 1975 erneut in die Chartlisten und dominierte diese beinahe 14 Wochen lang. Leider blieb es nicht bei einer Schreckensnachricht. Am gleichen Tag berichteten die Medien vom Tod des Schlagzeugers Eric Carr, der als "The Fox" bei KISS Berühmtheit erlangte. Er erlag nach langem Kampf dem Krebs.
Während BMG im Jahre 1992 mit der ersten Ausgabe der "Bravo-Hits" ein riesengroßer Wurf gelang der noch bis heute anhält, der beliebte Sänger Curt Cobain seine Freundin Courtney Love heiratet und Mick Jagger sich als filmischer Held auf die Leinwand begibt, ist der Grunge Welle nach wie vor nicht die Luft ausgegangen. Hatten bereits ein Jahr zuvor Nirvana mit "Smells Like Teen Spirit" für Furore gesorgt, hob die Scheibe "Nevermind" nun ab und erreichte Platz Eins der US-Billboard Charts. Auch die anderen Bands, die sich dieser Welle verschrieben hatten, etablierten sich mit Alben und Singles fest in den Charts und waren fortan aus dem Musikgeschäft nicht mehr wegzudiskutieren. Nach elf Jahren bei Mötley Crue verließ Vince Neil die Band und ging ab sofort seiner zweiten großen Leidenschaft, dem Rennen nach.
Auch für Guns N‘ Roses war es erneut ein phantastisches Jahr. Sie stiegen mit ihrem Song "November Rain" weltweit in die Charts ein. Mit diesem Einstieg schaffte es erstmals ein Song dieser Länge in die Top20. Zwar waren auch in den Jahren zuvor Songs mit Überlänge nichts wirklich besonderes, aber das 8 Minuten und 57 Sekunden lange Stück war damit die längste Single aller Zeiten, welcher dies vergönnt war. Folglich verstummten natürlich in sämtlichen Radiostationen auch die Moderatoren für längere Zeit, denn in einen solchen Song zu moderieren, war und ist nun mal verpönt.
Für einen weiteren Skandal sorgte 1992 einmal mehr Billy Idol. Nach seinem schweren Unfall schien er seine Sucht noch immer nicht wirklich im Griff zu haben. Er schlug einer Frau ins Gesicht und wurde in der Folge zu einer Öffentlichkeitsarbeit gegen Alkohol- und Drogenmissbrauch verurteilt.
Das es mit der Rockmusik nicht weit her war, beweist kaum ein anderes Jahr besser als 1993. Green Day versuchen sich nach einem Wechsel des Labels an neuen Klängen, Lenny Kravitz trennt sich von Ehefrau Lisa Bonet, Sänger Eddie Vedder von Pearl-Jam wird wegen einem Handgemenge im Suff verhaftet und auch Bobby Brown ergeht es nicht besser. Er wird nach einem Konzert in Georgia verhaftet, weil er Geschlechtsverkehr auf der Bühne gehabt hatte. Autsch.
Einziger Lichtblick im Dunkel der 90er Jahre waren zwei Black-Musiker. Zum Einen sei hier natürlich Michael Jackson genannt, der mit dem ersten und einzigen Interview seiner Karriere bei Oprah Winfrey auf sich aufmerksam machte und eine weitere junge Dame: 1993, genauer gesagt im März, schaffte es die Single "I Will Always Love You" von Whitney Housten sagenhafte 14 Wochen lang, den ersten Platz der US-Single Charts zu halten. Es ist bis heute die am längsten auf Nummer Eins gelistete Single. Neben zahlreichen Grammys und weiteren Auszeichnungen, hält Whitey Housten auch den Guinnessbuch-Rekord als "erfolgreichste Sängerin aller Zeiten", welcher ihr 1987 in Folge von unglaublichen sieben Nummer Eins Singles in Folge überreicht wurde.
Ansonsten wird das Jahr 1993 vor allem durch die neue Rap-Musik dominiert. Neben dem "Wu-Tang-Clan" schieben sich etwas abseits des Rap die Schweden "Ace Of Base" in die Charts und nicht unerwähnt bleiben darf an dieser Stelle natürlich "Songs of Faith and Devotion". Mit diesem Album schafften es Depeche Mode als erste britisch-alternative Band in die US-Billboard Charts.
Nachdem in den vergangenen Jahren immer wieder Bands gegründet wurden und sich auflösten, war der Punk in den Untergrund gegangen. Das Interesse an dieser Spielart der Rockmusik war auch für die Musikindustrie einfach zu gering und kaum einer Band gelang der wirklich große Durchbruch. Im vergangenen Jahr hatten sich die Jungs von "Green Day" ein wenig zurück gezogen und traten nun, Anfang des Jahres 1994 wieder ans Licht der Öffentlichkeit. Mit dem Album "Dookie" gelang ihnen nicht nur der weltweite Durchbruch, sondern sie stießen damit zahlreichen anderen Bands, ja sogar dem Punk, die Türe wieder auf. Es gilt als das bis heute am besten verkaufte Punkalbum der Welt und wurde mit der höchsten Auszeichnung geehrt, die ein Album erhalten kann: Diamant. Die ausgekoppelten Songs "Basket Case" und "When I Come Around" wurden zu DEN Songs des neuen Neopunks schlechthin.
Während Green Day dem Punk zu einem Revival verhalfen, sorgten ausgerechnet Nirvana für einen raschen Abstieg der Grunge Welle. Nach einem Konzert, ihrem vorerst letzten Konzert in Deutschland, übertrieb es Frontmann Curt Cobain einmal mehr. Aufgrund seines Drogenkonsums fiel er in ein Koma, aus dem er sich zwar schnell wieder erholte, kurz darauf aber erneut in die alten Gewohnheiten verfiel. Am 2. März flogen er und seine Frau nach Rom, wo man ihn zwei Tage später, erneut im Koma liegend, in ein Krankenhaus einlieferte. Nach massivem Drängeln von außen unterzog er sich erneut einem Entzug und brach den letzten Versuch einer Serie von insgesamt sechs Entzügen erfolglos ab. Er floh und tauchte unter. Zu diesem Zeitpunkt hatte sich die Band Nirvana bereits aufgelöst, was Dave Grohl aber erst Jahre später in einem Interview bestätigte. Einige Tage später, es ist der 5. April 1994, fand man Curt Cobain mit einer dreifachen Überdosis und einem Kopfschuss aus seiner Schrotflinte tot in seinem Haus in Seattle.
Noch vor dem Tod Cobains war auch die Nachricht, dass sich Pink Floyd nach ihrem Konzert im März auflösen wollten, nicht eben erheiternd, so dass man sich im Nachgang die Frage stellen muss, was uns das Jahr 1994 eigentlich für einen Eindruck hinterlässt?! Sicherlich einen gemischten, mit einem kleinen Lichtblick: Die Gruppe "Korn" bringen ihr erstes Album auf den Markt, dass als erste CD mit reinem Nu-Metal gilt. Eine Perspektive für zahlreiche andere Bands des Genres, die sich dem Erfolg von Korn anschließen und aus dem Untergrund wieder nach oben drängen.
Nachdem im letzten Jahr mit dem Tode Cut Cobains der Grunge-Welle ein heftiger Stoß versetzt wurde, gründeten sich im Jahr 1995 die Foo Fighters und veröffentlichten noch im gleichen Jahr ihr Debütalbum "Foo Fighters", dass der Welle einen neuen Anstoß verlieh. Nichts desto weniger aber schien, zumindest aus kommerzieller Sicht, dem Genre keine große Zukunft beschert. Immer mehr und mehr Plattenfirmen wandten sich ab, da das Interesse der Fans stark nachließ. Mit den Gründungen der Bands "die apokalyptischen Reiter", "In Extremo", "Nickelback" und "Slipkot", um nur mal einige zu nennen, wurde das Genre des Rock jedoch um zahlreiche Facetten bereichert. Besonders die deutsche Band "In Extremo" besetzte ein bis heute populäres Subgenre und belebte dieses ungemein: Den Mittelalter-Rock. Spielten "In Extremo" zunächst nur mit akkustischen Mitteln auf Mittelalter-Festivals und Märkten, kam ihnen mehr und mehr Bedeutung zu. Die große Zeit der Mittelalterbands aber sollte erst noch kommen. Vorerst fristeten sie eher ein Nischendasein, ähnlich wie die bereits seit 1989 bestehende Mittelalter-Rockband Haggard.
Während Queen mit "Made In Heaven" das letzte Studioalbum herausbrachten, kamen Rammstein, die sich ein Jahr zuvor in Berlin gegründet hatten, mit ihrem Debüt "Herzeleid" an den Markt. Die Hardrocker dieser Band wurden schon immer kontrovers betrachtet, sind aber unstimmig eine der bis heute erfolgreichsten, deutschsprachigen Rockbands.
Fernab dieser großen Gründungen und Veröffentlichungen machten andere Künstler Schlagzeilen. Es war das Jahr der Drummer. Eigentlich trommeln sie bei Bands eher im Hintergrund und wenig beachtet, nun aber machten sie von sich reden. Den Anfang machte 1995 der Schlagzeuger Tommy Lee, der die Badenixe Pamela Anderson heiratete. Kein Skandal, aber traurig war die Nachricht, welche Bill Berry, der Drummer von REM von sich hören ließ. Er brach im Vorfeld eines Konzertes zusammen und musste aufgrund eines Aneurysma in einer Klinik behandelt werden. Den Auftritt konnte er nicht wie geplant absolvieren, wenige Tage später ging es ihm jedoch wieder besser. Nicht ganz so glimpflich erging es derweil Drummer Ingo Schwichtenberg. Der Schlagzeuger der 1984 in Hamburg gegründeten Band "Halloween" war bereits 1993 nach Erscheinen des als bislang schwächsten Albums der Band geltenden "Chameleon" ausgestiegen. Schwichtenberg litt bereits damals unter psychischen Problemen, die sich in den folgenden Jahren verstärkten und schließlich 1995 darin gipfelten, dass er sich vor einen fahrenden U-Bahn Zug warf und starb.
Ebenfalls Schlagzeilen, diesmal aber nicht von positiver Art, machten Guns N‘ Roses. Der Schlagzeuger der Band, Steven Adler, wurde wegen Besitzes von Heroin angeklagt. Auch wenn die restlichen Bandmitglieder in dieser Zeit nicht weniger konsumierten, erwischte es Adler, der in der Folge von Axl Rose aus der Band geworfen wurde. Zwar haben sich Adler und die restlichen Mitglieder der Band in den kommenden Jahren immer wieder angenähert, aber bis heute scheint die Sucht Adlers einer erneuten Zusammenarbeit im Wege zu stehen. 2008 wurde Steven Adler dann erneut wegen Drogenkonsums verurteilt.
Zwei Jahre zuvor, also 1994, gründeten Daniel Johns, Ben Gillies und Chris Joannou in Australien die Band "Silverchair". Im Zuge der erfolgreichen Grunge-Welle spielten sie anfangs genau diese Art der Musik und ihre Alben erreichten zwischen 95 und 2007 allesamt Platz Eins der Albencharts auf ihrem Heimatkontinent und sie können damit als durchaus erfolgreich gelten. 1996 jedoch umgab die Band einen kleinen Skandal, der auch weit über die Grenzen Australiens hin für Schlagzeilen sorgte. Die beiden Teenager Nicholaus McDonald und Brian Bassett hatten beide Elternteile und den jüngeren Bruder von Brian getötet. Ein Anwalt leitete nach diesem Massaker ein Verfahren gegen die Band Silverchair ein und berief sich in seiner Klage auf das Lied "Israel’s Son", durch das die Teenager angeblich manipuliert worden waren. Ein Urteil gab es hierzu nicht und die Plattenfirma dementierte natürlich jedwedes Gerücht über eine gewollte Einflussnahme auf die Hörer durch Musik der Band.
Fernab der Rockmusik sorgte einmal mehr Madonna für Schlagzeilen. Zunächst einmal gewann sie einen Prozess gegen Robert Hoskins, der in fünf Fällen von Stalking, körperlichen Übergriffen und angedrohter Tötung für schuldig befunden wurde. Nur wenig später stand die "Queen of Pop" erneut in den Presseblättern, als sie einen für die Argentinier eher unerwünschten Besuch in ihrem Land absolvierte. Madonna hatte zuvor lange um die Hauptrolle als Evita Peròn im von Andrew Lloyd Webber inszenierten Musical geworben und war schließlich angenommen worden. Vielleicht auch aufgrund ihrer offen und freizügigen Umgangsweise in Sachen Sex kam sie nicht bei allen Argentiniern sehr gut und an und so geriet der Besuch der Sängerin 1996 zu einem Alptraum für die Sicherheitsbeamten Argentiniens. Nichts desto trotz wurde "Evita", das dazugehörige Album Madonnas zu einem ihrer erfolgreichsten Machwerke.
Auch auf das Jahr 1996 lassen sich wieder einige wichtige Bandneugründungen zurück führen. Während KISS ein umjubeltes MTV-Unplugged Konzert geben, bei welchen Ace Frehley und Peter Criss zur Band zurückkehren, die "Toten Hosen" ihre Scheibe "Opium fürs Volk" unter eben dieses bringen und Oasis einen neuen Besucherrekord bei ihren Konzerten verzeichnen, machen sich in Los Angeles ein paar Jungs daran, eine Band namens "Xero" aus der Taufe zu heben. Nur zwei Jahre später, der Erfolg war bereits greifbar, wurde die Band mit Sänger Mark Wakefield schließlich zu "Linkin Park". Auch die Finnen und die Holländer machten 1996 von sich reden und tun es bis in die heutigen Tage. Die beiden, dem Symphonic-Metal zugeordneten Bands "Nightwish" und "Within Temptation" werden gegründet und vor allem "Nightwish", deren Musik sehr stark von Filmmusik geprägt ist, werden in den nächsten Jahren das recht junge Genre maßgeblich beeinflussen.
Die Rockmusik war im Jahre 1997 aufgrund der immer stärker werdenden Rapszene, der House- und Technobewegung fast in den Untergrund verschwunden. Die Popmusik erhielt immer mehr Aufwind und gerade deshalb verstand es sich beinnahe von selbst, dass die Plattenfirmen von ihren Künstlern Musik verlangten, die Radio- und damit massentauglich ist. Vielleicht ist es damit zu erklären, dass sowohl die Erscheinung des poplastigen "Pop" von U2 grandios floppte und bei den Fans untendurch fiel. "Be Here Now" von Oasis erging es da schon deutlich besser. Auch wenn die Kritiken eingefleischter Fans nicht eben die Besten waren, verkaufte sich das Album in der ersten Woche über 600.000 Mal und gilt damit bis heute als das am schnellsten verkaufte Album aller Zeiten in Großbritannien. Schätzungen zufolge sollen von der Scheibe bis heute etwa Eine Million über den Ladentisch gegangen sein.
Fernab des Rock schlägt sich beim einem Schlagerfestival Roland Kaiser mit Tic Tac Toe. Natürlich ist das nicht unbedingt wörtlich zu nehmen, ging es doch eher um einen gesanglichen Wettstreit. Beim Schlagerpokal holte Roland Kaiser zum zweiten Mal nach 1983 den Titel und man stellt sich hier natürlich zu recht die Frage, was denn ausgerechnet Tic Tac Toe dort verloren haben.
Verloren hatten sich im Übrigen auch die 1968 in Birmingham gegründete Band "Black Sabbath". Offiziell hatten sich die Rocker nie aufgelöst, waren aber zwischenzeitlich immer mit wechselnder Besetzung unterwegs und brachen natürlich auch regelmäßig neue Alben heraus. 1997 jedoch, sehr zur Freude alter Fans, kamen die Jungs dann endlich in alter Besetzung auf die Bühnen zurück. Im Rahmen der "Ozzfest-Tour" spielte die Band mit Sänger Osbourne unter anderem in ihrer Heimatstadt im "National Exhibition Stadion" vor mehreren tausend Fans auf.
In der Frühphase der Band war der Hardcore Punk das Aushängeschild der 1984 in Seattle gegründeten Band "Soundgarden" gewesen. Zwischenzeitlich hatte man neben einem Ausflug in den alternative Rock natürlich auch die neue Grunge-Welle bedient, 1997 aber war die Luft raus und die Band löste sich, natürlich vorläufig, auf.
Viele Jahre waren bereits ins Land gegangen, seit die Beatles ihre letzten großen Hits an den Mann, bzw. die Frau gebracht hatten. John Lennon war 1980 erschossen worden und die Rechte an den Songs der Beatles waren 1985 für 47,5 Millionen Dollar an Michael Jackson gegangen. Keine zwei Jahre später wurden die alten Alben der Beatles auf CD neu veröffentlicht und erreichten oftmals hohe Chartpositionen. Im Mai des Jahres 1998 wollte eine Plattenfirma einen Mitschnitt des berühmten Konzerts der Beatles im Star-Club veröffentlichen. Dies jedoch missfiel sowohl Paul McCartney, also auch George Harrison und Ringo Starr, die erfolgreich gegen die Veröffentlichung klagten. Die Plattenfirma musste zahlen und die bereits produzierten Kopien der Scheiben an die ehemaligen Mitglieder der Beatles übergeben.
Überaschend für viele Fans kam 1998 die Veröffentlichung der Scheibe "Van Halen III". Hatte die Band noch einige Jahre zuvor verkündet, sich eine kreative Auszeit zu gönnen, waren sie nun furios wieder da. Gerade Edward van Halen hatte in diesen Jahren schwer zu kämpfen. Das Album war im Übrigen auch das erste und letzte mit dem neuen Sänger Gary Cherone, der später wieder durch David Lee Roth ersetzt wurde, nachdem man sich zwischenzeitlich mit Sammy Hagar als Sänger auf Konzerten hatte sehen lassen.
Ehrungen hatte natürlich auch das Jahr 1998 parat. Im vorhergehenden Jahr war bereits Paul McCartney die hohe Ehre zuteil geworden, durch Queen Elisabeth II im Buckingham Palace zum "Sir" geschlagen zu werden. 1998 folgte dann Elton John. Witziger weise hatte man ihm beim Einzug in den Palace mit "Sir John Elton" betitelt, ein Witz, der sich teilweise noch heute hält.
Rockmusikalisch hat das Jahr 1998 nicht sehr viel zu bieten. KISS bringen ihr Album "Psycho Circus" auf den Markt und die Ärzte die Scheibe "13". Die großen Scheiben des Jahres kommen aus der Popmusik, die sich nun mehr und mehr durchsetzt. Cher mit "Belive" macht den Anfang, dicht gefolgt von "Ray Of Light" von Madonna. Modern Talking kommen nach einer langen Trennungsphase zurück und auch New Order feiern ein umjubeltes Konzert nach fünf Jahren Trennung.
Mit Veröffentlichungen und Neugründungen hält sich das Jahr 99 nicht eben bedeckt. Die Toten Hosen hauen die Scheibe "Unsterblich" auf den Markt, dicht gefolgt von den Ärzten mit "Wir wollen nur deine Seele" und In Extremo mit "Verehrt und angespien". Auch Rammstein geben sich die Ehre und veröffentlichen das Live-Album "Live aus Berlin". Die Red Hot Chilli Peppers kommen mit dem Reunion Album "Californication" daher und blink-182 veröffentlichen das erste Album mit Schlagzeuger Travis Barker.
Während sich auf der einen Seite Unheilig, Mando Diao und Gossip zusammenfinden und als Band gegründet werden, trennen sich die Wege der anderen. Rod Stewart und Supermodell Rachel Hunter gehen nach acht Jahren Ehe nun getrennte Wege, während Prince nicht sehr "amused" ist. Im Internet vertreibt ein Hehler seine bisher unveröffentlichten Sings illegal. Prince klagt und ... gewinnt natürlich.
Nicht ganz so einfach, mehr schwerwiegend, sind die Ereignisse, die sich an der Columbine High School im April 1999 ereignen. Eric Harris, damals 18 und Dylan Klebold, 17, ermordeten dabei zwölf Schüler im Alter von 14 bis 18 Jahren und einen Lehrer. Außerdem verwundeten sie 24 weitere Menschen und töteten anschließend sich selbst. Brisant wurde das Ereignis dadurch, dass insbesondere einige Jugendschutzbeauftragte in der Folge des Massakers willkürlich gegen verschiedene Musiker und deren Werke angingen. Angeblich seien, ähnlich wie Diskussionen heutiger Tage zu sogenannten Egoshooter, nicht diese, sondern die Musik und insbesondere die Texte verantwortlich für solche Taten. Einige Musiker, allen voran Marilyn Manson, sahen sich 1999 massiver Kritik ausgesetzt und mussten sich gegen Vorwürfe und harsche Kritik wehren. Wie selbstverständlich kam im Nachhinein heraus, dass die Täter weder Fans von Manson waren, noch von ihm in irgendeiner Art und Weise beeinflusst worden waren. Dennoch schränkte gerade die Haltung der Öffentlichkeit und insbesondere die der Medien in diesem Fall die Kreativität viele Künstler ein. Zu leiden hatte aber nicht nur die Rockmusik, sondern besonders die aufkeimende Rap-Kultur.
60er Jahre # 70er Jahre # 80er Jahre # 90er Jahre # Neuzeit