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Die "Neu-20er"

Inhalt

2000 - Ein neues Millenium und - ein Neubeginn?
2001 - Das Jahr der Katastrophen und Comebacks
2002 - Angänge und Zugänge
2003 - Ein Bumm und ein Boom
2004 - Nur noch Pop
2005 - Der Fall der Mauer
2006 - Ein Meer von Fahnen und ... die Rückkehr des Hardrock
2007 - Große Gesten und die Rückkehr der Giganten
2008 - Überraschungen
2009 - Harte Schläge und Stagnation
2010 - Harte Jahre, weiche Frauen


2000 - Ein neues Millennium und ...ein Neubeginn?

Im neuen Jahrtausend gingen den Menschen viele Fragen im Kopf herum: Was passiert in der "Stunde Null", werden die Maschinen durchdrehen, was passiert mit den Atomkraftwerken und und und. All diese Fragen interessierten die Stars vermutlich weniger. Hier stritten sich gleich zu Beginn des neuen Jahrtausends Künstler wie N Sync, Britney Spears, Eminem und Nelly um die Spitzenpositionen der Charts. Ganz vorne mit dabei war auch eine Gruppe, die sich 1994 um den Sänger Fred Durst gegründet hatte und die sich dem Nu Metal und Crossover verschrieben hatte. Limp Bizkit brachten im Jahr 2000 die Scheibe "Chocolate Starfish and the Hot Dog Flavored Water" auf den Markt und erreichten auf Anhieb in Deutschland, Österreich, Großbritannien und den USA platz Eins der Albencharts. Ganze fünf Singles wurden in der Folge aus diesem Album ausgekoppelt und erreichten in den wichtigsten Märkten ebenfalls hohe Chartplatzierungen.

Hatte 1984 Michael Jackson bei der Grammy-Verleihung noch ordentlich abgesahnt, war es nun Santana, der Jacko gleichzog und mal eben acht der begehrten Awards mit nach Hause nahm. Beste Künstlerin des Jahres wurde, wenn auch nicht gerade rockig unterwegs, Christina Aguilera.

Mit Spannung wurde 2000 ein Album erwartet, auf das es schon im Vorfeld immer wieder wilde Gerüchte und Spekulationen gab. "Haltung bewahren" hieß es dann endlich am 28. Februar 2000. AC/DC, die australischen Hardrocker, veröffentlichten nach fünf langen Jahren endlich ihr neues Studioalbum "Stiff Upper Lip" und überraschten damit .... Niemanden. Denn das Album war grandios und eben AC/DC wie sie waren, sind und sein werden. Sie blieben auf mit dieser Scheibe ihrem Stil treu und wagten keine Experimente, was bei den Fans außerordentlich gut ankam und auch den ein oder anderen neuen Anhänger brachte.

Weniger Glück hatten "blink-182" auf ihrer Tour durch Europa. Diese mussten sie abbrechen, weil sowohl Sänger Tom Delonge als auch Schlagzeuger Travis Parker unter starken Halsschmerzen litten. Ebenfalls an Halsschmerzen, wenn auch aus einem weitaus schlimmeren Grund, litt Rod Stewart. Der musste sich im Jahr 2000 einer mehrstündigen OP unterziehen, weil ihm schon seit einiger Zeit bösartige Auswüchse  das Leben schwer machten. 1999 hatte er erfahren, dass er an Schilddrüsenkrebs leide, was beinahe dazu geführt hätte, dass er seine charakteristische Reibeisenstimme verliert. Nach einer langwierigen Therapie musste er gar das Singen neu erlernen.

Satanistische Auswüchse schrieb man Jimmy Page schon immer zu, auch wenn er diese Gerüchte immer dementierte. Der ehemalige Gitarrist von Led Zeppelin soll unter anderem im Song "Stairway to Heaven" eine satanische Botschaft eingebaut haben, was aber in der Zwischenzeit wiederlegt wurde. Im Jahr 2000 gewann er dann auch endlich einen Prozess gegen das Magazin "Ministry", der sich schon ein wenig länger hinzog. Dieses hatte behauptet, Jimmy habe während der Schlagzeuger von Led Zeppelin im Sterben lag mit einer satanischen Robe Beschwörungsformeln aufgesagt.

Weniger gut ging es leider auch in Sachen Festivals zu. Das "Roskilde-Festival" war schon seit 1971 Anlaufpunkt für unzählige Rockfans gewesen. Angefangen hatte es im August 1971 mit 10.000 Besuchern und als im Jahr 2000 dann 76.000 Besucher auf die Wiesen strömten dachte man noch an ein, wie eigentlich in allen Jahren zuvor, friedliches Festival mit guter Musik. Als dann aber die Band "Pearl Jam" auf die Bühne trat, kam es zu einem Auflauf, in dessen Folge zahlreiche Menschen auf dem matschigen Untergrund des Halt verloren und fielen. Neun von ihnen wurden von der nachdrängenden Menge erdrückt und starben. Das Festival wurde fortgesetzt und bis heute erinnern neun Birken und ein Gedenkstein an jenen furchtbaren Tag.


2001 - Das Jahr der Katastrophen und großen Comebacks

Wer sich heute an das Jahr 2001 erinnert, der denkt zunächst einmal an eines der schlimmsten Verbrechen in der Geschichte der Menschheit: Den Anschlag auf die Twin Towers des World Trade Center. Es bedarf nicht viel Phantasie um zu verstehen, dass dieses Ereignis natürlich jedwede Berichterstattung, Neugründung und jedes noch so erfolgreiche Album derart überschattet, dass man an dieses Jahr nur eine einzige Erinnerung zu haben scheint. Menschlich.
Nichts desto weniger tat sich in Sachen Rockmusik gleich zweierlei:

Den Anfang machten Gun N‘ Roses, die gleich am 01. Januar im "House of Blues" ihr großes Comeback anstimmten. Nachdem Axl Rose die Band in den vergangenen Jahren neu geformt hatte und einige der alten Musiker durch neue ersetzt hatte, kam das Comeback sehr gut an. Es sollte aber nur der Auftakt für mehr sein, denn noch im selben Monat traten die Jungs vor sage und schreibe 300.000 Zuschauern als Headliner des Rock In Rio-Festivals auf. Ein neues Album war zwar seit 1998 nicht erschienen und auch kein wirklich neues in Sicht, aber dennoch waren die "Gunner" wieder da!

Die zweite Überraschung des Jahres 2001 lieferten ELO ab. Die Rockband, die sich 1987 aufgelöst hatte, kam vollkommen überraschend mit dem Album "Zoom" auf den Markt. Von zahlreichen Fans jedoch wurde dieses nicht gut angenommen. Sie kritisierten, dass es sich hierbei eigentlich um ein reines Jeff-Lynne Soloprojekt handle, da er die meisten Parts alleine eingespielt habe. Nimmt man die Verkaufszahlen zur Hand, wurde das Album auch kommerziell gesehen kein großer Renner und nachdem der Kartenverkauf mehr schlecht als recht anlief, war nach zwei Konzerten zu Werbezwecken auch schon wieder Schluss mit ELO.


Für einen Aufschrei unter den Fans sorgte 2001 Jason Newsted. Nachdem Metallica 1986 durch ein Busunglück seinen Bassisten Cliff Burton verloren hatten, musste ein Ersatz her, den man auch recht schnell in Person von Newsted fand. Nach zahlreichen erfolgreichen Alben war 2001 aber das Ende der Fahnenstange erreicht. Newsted verließ die Band und erst im Nachhinein erfuhr die Öffentlichkeit, warum er ging. Gab er anfangs noch Nacken- und Rückprobleme aufgrund des jahrelangen, exzessiven Headbangens an, wurde schnell deutlich, dass Metallica ihm jedwede kreative Entfaltung nahm. Er wurde bei lediglich drei Stücken als Komponist aufgeführt und auch ein Soloprojekt mit dem Namen "Echobrain" hatte man ihm untersagt.


2002 - Abgänge und Zugänge

Nach 25 Jahren war Schluss. Sänger Peter Garrett verließ seine Band Midnight Oil, was gleichzeitig auch das Ende der Band bedeutete. Man trennte sich in Freundschaft und gegenseitigem Respekt wie es hieß, aber für viele Fans kam das Ende nach der großen Tour doch überraschend.

Ebenfalls tragisch, wenn auch nicht zur Auflösung führend, war der Abgang von Violinenspieler May Lilja von Apocalyptica. Die Band, welche sich 1996 gegründet hatte, zeichnet sich dadurch aus, dass alle Mitglieder die Musikstücke auf dem Cello spielen. Eine einzigartige Mischung aus Hardrock und Cellospiel, dass seither Millionen auf der ganzen Welt begeistert.

Und wo wir gerade bei Millionen sind: Der Super Bowl gilt seit vielen Jahren als die Sendung mit den weltweit höchsten Einschaltquoten überhaupt. Wen wundert es da, dass für die Halbzeitdarbietungen die Stars Schlange stehen. Sicher haben die Macher auch die beiden Stars in diesem Jahr nicht lange bitten müssen: U2 und Paul McCartney traten gemeinsam auf und begeisterten die Massen.

Während sich Stars wie Avril Lavigne, Shakira und Scooter mit neuen Scheiben regelrecht bewerfen, Kelly mit Gerichten wegen seinem Hang zu Minderjährigen streitet und mit "The Ketchup Song" uns ein Nerv-Song den Sommer versüßt, tut sich in Sachen Rockmusik nicht sehr viel. Zwar bringen die toten Hosen mit "Auswärtsspiel" ein neues Album heraus und auch Korn legen mit "Untouchables" ein gesalzenes Werk hin, aber es ist doch recht ruhig geworden in der Hardrock Fraktion. Aber halt! Ein Lichtblick war dann doch am fernen Horizont zu erkennen. 1995 hatten sich in Kanada die drei Brüder Chad, Mike und Brandon Kroeger zusammengefunden und gemeinsam mit Gitarristen Ryan Peake die Band "Nickelback" gegründet. War sie anfangs noch recht erfolglos und kam als Lokalband nicht über Kanada hinaus, schafften es die Jungs im Jahre 2001 schließlich doch. Mit dem Album "Silver Side Up", dem dritten der Bandgeschichte, gelang der internationale Durchbruch: Platz Eins der Alben Charts in Österreich, Großbritannien und Kanada. In den USA schoss das Album auf den zweiten Platz, bei uns auf den vierten nach oben und sorgte dafür, dass den eingefleischten Rockfans nicht Scooter, Last Ketchup oder die Gerd Show, sondern endlich mal wieder rockige Klänge um die Ohren flogen.


2003 - Ein Bumm und ein Boom

Gleich zu Beginn des neuen Jahres machte es haufenweise "Klick". Nicht etwa, weil einigen Leuten der Groschen gefallen wäre, sondern weil die Polizisten in den USA ihre Handschellen rasseln ließen. Dem FBI gelang 2003 ein großer Schlag gegen die internationale Raubkopierer-Szene, in dessen Folge auch in Europa zahlreiche Festnahmen stattfanden. Alleine in Hannover wurden 2003 über 16.000 raubkopierte Videos beschlagnahmt, die zum Teil Material enthielten, dass erst Ende des Jahres in die Kinos kommen sollte.

Derweil wurde ein ganz Großer der Rockszene plötzlich sehr schmusig. Alice Cooper, der Schockrocker schlechthin, verabschiedete sich mit seinem neuen Album "The Eyes Of Alice Cooper" von den harten Klängen des Heavy Metal und ließ deutlich ruhigere Einschläge aus den frühen 70er Jahren einfließen.
Von den Größen der 70er Jahre waren 2003 nicht mehr viele unterwegs. Die Formation der Bee Gees hatte bereits mehrere Comebacks hinter sich und zuletzt im Jahre 2001 ein echtes Studioalbum herausgebracht. Seither war nicht mehr sehr viel von ihnen zu hören gewesen, außer einigen Best-Of Alben. Am 12. Januar 2003 starb schließlich Maurice Gibb wenige Tage nach einer schweren Darm-OP. Es war nicht gleich auch das Ende der Band, aber die Brüder beschlossen, unter dem Namen "Bee Gees" keine weiteren Produktionen mehr heraus zu geben. Im Jahre 2006, also drei Jahre nach dem Tod von Maurice, wurde dann das offizielle Ende der Band bekannt gegeben. Eine Ära, die 1958 begann, endete.

Sehr rockig unterwegs waren 2003, nach einer gut drei Jahre währenden Pause, die Jungs um Sänger Fred Durst. Limp Bizkit brachten 2003 gleich zwei Singles auf den Markt, welche beide eine Auskopplung aus dem kommenden Album "Results May Vary" waren. Die anschließenden Auftritte, unter anderem zusammen mit Korn und Metallica, brachten Limp Bizkit wieder an die Spitze und das Album selbstverständlich auch.

Und wenn wir gerade bei Spitzen sind. 2003 war auch das Jahr, in dem der Castingshowboom in Deutschland seinen absoluten Höhepunkt erreichte. Nach dem Erfolg von "DSDS" folgten in rascher Folge weitere solcher Shows, die mehr oder weniger erfolgreiche Künstler hervorbrachten. Am interessantesten, wenn man einmal nur auf den Rock schaut, war sicher "Star Search" im Jahr 2003, welche Martin Kesici als Gewinner hervorbrachte. Auch der im Achtelfinale ausgeschiedene Bill Kaulitz sollte in den nächsten Jahren als Sänger der Band "Tokio Hotel" noch von sich Reden machen.


2004 - Nur noch Pop

Schaut man sich das Jahr 2004 aus der Retrospektive an, so muss man feststellen, das gerade in den Schlagzeilen nur noch wenig von Rock die Rede war. George Michael gibt das Ende seiner Karriere bekannt, Madonna tourt durch 20 Städte und liefert eine gigantische Show ab, Annette Humpe und Adel Tawil gründen "Ich & Ich" und starten in den kommenden Jahren voll durch und die Castingshows bringen Bands und Künstler, die heute keiner mehr kennt. Überall poppte es.

Aber es gab auch rockige Lichtblicke in diesem Jahr. So bringen Green Day endlich ein neues Album auf den Markt. Vier jahre mussten die Fans warten und mit "American Idiot" sind sie nicht nur wieder da, sondern steigen auch furios in die Albencharts ein: Platz 1 in Österreich, der Schweiz, Großbritannien und den USA. Lediglich in Deutschland schafft es das Album nicht über den dritten Platz hinaus. Nichts desto weniger zeigen Green Day, dass das Interesse an Rockmusik nach wie vor groß zu sein scheint.


2005 - Der Fall der Mauer

Während sich in den USA die "Jonas Brothers" gründen und mit einer Mischung aus Pop und Rock die Charts stürmen, macht wieder einmal die "Queen of Pop" von sich Reden. Madonna holte sich einen alten Rekord von Elvis Presley: Über 36 Top-Ten Singles! Im Dezember des Jahres kassierte sie noch einmal kräftig, nachdem ihr neuer Song "Hung Up" für sieben Wochen ununterbrochen die Download-Charts domminierte.

Cover und Tribute ist an sich nichts schlechtes. Bisher mussten Künstler jedoch, wollten sie alte Songs aus den 60er Jahren neu einsingen und interpretieren, kräftig zahlen. Im Jahr 2005 jedoch fielen zahlreiche Copyrightansprüche aus den 60er Jahren weg, was zu einer nie dagewesenen Welle an Covern führte. Zahlreiche europäische Interpreten performten die alten Songs, wie etwa Bill Haleys "Rock Around The Clock" neu und stiegen in der Folge fast selbstverständlich in die Charts ein. Und wo wir gerade bei den Charts sind: Hier nisteten sich auch einige der Altmeister des Rock ein. Bruce Springsteen zum Beispiel eroberte für immerhin zwei Wochen die Albencharts mit seinem neuen Album "Devils & Dust", die Metaller von System of a Down sprangen ebenfalls für zwei Wochen mit ihrem Album "Mezmerize" an die Spitze und auch der Altmeister Bon Jovi schaffte es wieder einmal mit seinem neuen Album ""Have a nice day" die Massen zu begeistern. 

Während sich die Guano Apes, zumindest vorläufig, auflösten, geben Green Day in England an zwei Tagen ihr bislang größtes Konzert vor mehr als 65.000 Zuschauern.


2006 - Ein Meer von Fahnen und ... die Rückkehr des Hardrock

Das Sommermärchen 2006 wird sicher noch vielen Menschen lange Zeit im Gedächtnis bleiben. Es versteht sich beinahe von selber, dass angesichts der im Lande Deutschland herrschenden Fussball-Euphorie so manches untergegangen ist. Was aber sicher nach wie vor einige im Gedächtnis haben dürften ist der diesjährige Eurovision Song Contest. Während sich Deutschland mit Texas Lightning deutlich mehr versprochen hatte als einen schwachen 14. Platz, hauen die Erstplatzierten aus Finnland die Konkurrenz, Fans und Kritiker schlicht aus den Socken. Mit Masken vermummt und mit explosiver Bühnenshow zeigen Lordi, was die Hardrockszene leisten kann. Seltsamerweise konnte man in den nachfolgenden Jahren immer wieder so eine Art "Kopie" erleben, in dem andere Bands aus unterschiedlichen Ländern einfach versuchten, diesen Stil nachzuahmen ... jedoch kläglich scheiterten.

Derweil überraschte nicht nur Lordi mit Hardrock, sondern auch einige Altmeister mit ihrem Können. So kam Eric Burdon sehr zur Freude vieler Fans, mit einem neuen Album auf den Markt. "Soul Of A Man" überzeugte vor allem durch die Mischung aus altem Können und neuen Ideen. Auch die 48. Verleihung der Grammys verlief nicht wenig überraschend. Hier feierte Madonna, aber weniger als sie eigentlich erhofft hatte. Die großen Gewinner des Abends waren nämlich die Jungs von U2, die gleich fünf der begehrten Trophäen mit nach Hause nahmen.

Weniger gute Nachrichten gab es hingegen bei den Altmeistern von Aerosmith. Bassist Tom Hamilton musste sich einer Krebsbehandlung unterziehen und konnte deshalb bei der ersten Hälfte der "Route Of All Evil Tour" nicht dabei sein.

In der Zwischenzeit tat sich natürlich auch in den Charts so einiges. 2006 dominierte vor allem Madonna, die während ihrer "Confessions Tour" die sagenhafte Summe von 194 Millionen Dollar einspielte. Aber es gab auch hier und da einen Silberstreif am Horizont was den Rock angeht. So schafften es die Ärzte mit einem "Bäst Of" immerhin eine Woche lang in die Albencharts, Rammstein mit "Völkerball" ganze drei Wochen, doch die Überraschung des Jahres waren sicher Iron Maiden. Sie waren zwar nur eine Woche lang im September an der Spitze, aber erstmals seit vielen Jahren schaffte es überhaupt mal wieder eine Heavy Metal Band dorthin. Mit "A Matter Of Life And Death" bleiben Iron Maiden ihrer Linie treu und liefern zugleich Texte mit historischem Hintergrund ab. Von Eindrücken in Krisengebieten, über den Abwurf der ersten Atombombe bis hin zur "Operation Overlord" thematisieren sie zeitgemäße Hintergründe.


Den Abschluss des Jahres 2006 liefern eher weniger gute Nachrichten. David Silveria, seit ihrer Gründung 1993 fester Bestandteil und Schlagzeuger der Band Korn, macht nicht mehr weiter. Er fühlte sich ausgelaugt und wurde in der Folge durch Terry Bozzio ersetzt, der allerdings auch nur kurze Zeit bei Korn blieb.


2007 - Große Gesten und die Rückkehr der Giganten

Es war eine großartige Geste eines großartigen Menschen, der es beinahe geschafft hätte, der 43. Präsident der Vereinigten Staaten zu werden: Al Gore. Der Friedensnobelpreis des Jahres 2007 ging an ihn, aber damit nicht genug. Schon seit langem setzte sich Al Gore für den Klimaschutz ein, gründete viele Initiativen, hielt Reden rund um den Globus und krönte sein Engagement im Jahre 2007 mit dem "Live Earth", einem Konzert, das nach dem Vorbild der "Live Aid" Reihe stattfand. Allerdings mit einem großen Unterschied: Es ging in dieser Benefizveranstaltung um nicht weniger als die Rettung der Erde. Auf allen sieben Kontinenten versammelten sich 24 Stunden lang Künstler und Fans um gemeinsam für eine saubere Erde einzustehen. Mit Konzerten unter anderem im "Giants Stadium", in der "HSH Nordbank Arena" und im "Wembley-Stadion" feierten in 120 Ländern mehr als zwei Milliarden Menschen dieses Ereignis, bei dem Gruppen wie "Mando Diao", "Silbermond", "The Police", "Roger Waters" und viele mehr auftraten.

Während in Essen mehr als 1,2 Millionen Menschen die Loveparade feiern und in Rostock das von Herbert Grönemeyer inszenierte Konzert gegen die Armut stattfindet, kursieren einige Gerüchte, welche die Rockszene aufhorchen lassen. Zum einen lassen "The Police" bei den Grammy Awards durchblicken, dass die Streitigkeiten, welche 1986 zur Auflösung geführt hatten, nie persönliche, sondern rein musikalische Gründe gehabt hätten. Sie performten ihren Superhit "Roxanne" an diesem Abend neu und starteten, pünktlich zum 30-jährigen Bandjubiläum eine weltumspannende Tournee. Eine noch größere Überraschung aber gab es auf einer Pressekonferenz am 12. September. Led Zeppelin, die Urgiganten des Rock, die sich 1980 aufgelöst hatten, wollen wieder auf die Bühne und das in Original-Besetzung. Das Live-Comeback am 10. Dezember 2007 in der Londoner O2 Arena sollte zu Ehren des 2006 verstorbenen Gründers der Plattenfirma Atlantic Records Ahmet Ertegün, stattfinden, der auch Led Zeppelin entdeckt hatte. Mehr als 20 Millionen Menschen regestrierten sich in der Folge für eine Eintrittskarte. Lediglich 20.000 konnten jedoch dem Spektakel, bei dem neben Led Zeppelin auch Paul Rodgers und Foreigner auftraten, beiwohnen. Bei einem weiteren Pressetermin ein Jahr später in Tokyo ließ Jimmy Page dann verlauten, dass er bereit sei, mit Led Zeppelin auf Welttournee zu gehen.

Auch die "Rock and Roll Hall of Fame" öffnete 2007 wieder einmal ihre Pforten und ließ Größen wie "R.E.M.", "Patti Smith" und "Van Halen" Einzug halten.
Und da gerade die Rede von "Größen" ist: 1980 in Los Angeles gegründet, vier Jahre später aufgelöst und wiederum drei Jahre später, also 1987 wiedervereinigt, brachten Bad Religion mit "New Maps of Hell" ihr inzwischen 14. Studioalbum auf den Markt. Es genoss großen Anklang bei den Fans, da Bad Religion mit diesem Album nicht nur Kontinuität bewies, sondern zugleich auch einen Wiedereinstieg in den Mainstream bedeutete.


2008 - Überraschungen

Nachdem sich im November 2003 die 1991 gegründete Punkrock Band "Face to Face" aufgelöst hatte, gaben die Jungs um Sänger Trever Keith im Frühjahr 2008 bekannt, dass sie für vereinzelte Reunion Konzerte wieder auf die Bühne zurück kehren würden. Derweil gingen auch "Rage against the Machine" einen Schritt weiter. Bislang hatte man sie nur in den vereinigten Staaten live sehen können, doch nun wagten sie sich für das erste Konzert der Bandgeschichte in die weite Welt und traten in der Folge unter anderem in Australien und Deutschland bei "Rock am Ring" und "Rock im Park" auf. Rage against the Machine sollten aber einige Jahre später noch einmal groß in Erscheinung treten - allerdings etwas ungewollt.

2008 war auch das Jahr der Foo Fighters. Die als inoffiziellen Nachfolger von Nirvana geltende Band spielte im Juni des Jahres in Großbritannien vor tausenden begeisterten Fans auf. Im Vorfeld hatten die Jungs bei den Grammys ordentlich abgestaubt. Sie gewannen ihren 5. Und 6. Award für das beste Rockalbum und die beste Hardrock Darbietung. Auch bei den Brit Awards 2008 räumten sie die Trophäe für die "beste internationale Gruppe" ab. Sehr zum Leidwesen der zahlreichen Fans rund um den Globus gab Dave Grohl jedoch während der "Chris Moyles Show" bekannt, dass die Foo Fighters nun eine längere Pause einlegen würden und die Fans erst einmal keine neue Musik erwarten dürften. Die Enttäuschung war groß, wurde aber dann von Schlagzeuger Taylor Hawkins wenig später, im Februar 2009 wiederlegt. Er sagte, es handle sich hierbei keinesfalls um eine längere Pause, sondern nur um eine Kreativpause, in welcher die Band Ideen für ein neues Album sammle.

Mit 17 Bands auf einer Bühne hatte es im Mai 1985 begonnen. Inzwischen war "Rock am Ring" eine feste Institution in Sachen Rockfestivals geworden und auch 2008 gaben sich einmal mehr die Größen des Rock und Hardrock die Klinke in die Hand. 98 Bands, darunter Metallica, Queens of Stone Age, Rage Against The Machine, The Offspring und Jimmy Eat World, rockten drei Tage lang auf zwei Open Air Bühnen und einem Großraumzelt die Massen.  Mit 85.000 Besuchern gehört das Festival inzwischen zu einem der größten Rockfestivals der Welt.  Nicht weniger bekannt und inzwischen das mithin größte Heavy Metal Festival der Welt ist Wacken. Was im Jahre 1990 mit gerade mal 800 Besuchern und sechs Bands begann, hat sich inzwischen zu einer Großveranstaltung mit 71 Bands und mehr als 75.000 Besuchern gemausert. Einmal im Jahr, am ersten Wochenende im August, schwillt die kleine, etwa 2.000 Einwohner zählende Gemeinde in Schleswig-Holstein auf ein Vielfaches an. Damit begeistert das Festival nicht nur Fans, sondern inzwischen auch die Einwohner, hat sich die Veranstaltung doch zu einem nicht unerheblichen Wirtschaftszweig entwickelt.

Der "Kuschel Song" nervte landauf-landab, Genesis veröffentlichen mit "Live over Europe" die Ein millionste Complication und Amy Whinehouse trällert sich mit "Back to black" in die Charts. Auch  das war 2008, aber ... es war bei Weitem nicht alles. Denn die großen Überraschungen lieferten neben den Pop gören ganz Andere ab. Den Anfang machten die Ärzte mit "Jazz ist anders" im Januar des Jahres, gefolgt von einem großartigen "Sängerkrieg" von In Extremo im Mai. Die absoluten Kracher des Jahres aber lieferten zum einen die Jungs um Sänger Axl Rose und zum Anderen die Hardrocker von AC/DC ab.

Guns N‘ Roses brachten im November des Jahres 2008 mit "Chinese Democracy" ein Album heraus, dass nicht nur das Erste seit gut 15 Jahren war, sondern auch sofort in die Spitzen der Charts schoss. Die Produktion des Albums wurde bereits 1994 begonnen und hatte sich, aufgrund zahlreicher Faktoren, über viele Jahre hingezogen. Im März 2008 hatte "Dr Pepper", ein amerikanischer Hersteller von Erfrischungsgetränken verlauten lassen, dass sie jedem Amerikaner, mit Ausnahme der beiden ehemaligen Gitarristen Slash und Buckethead ein Gratisgetränk spendieren, sollte "Chinese Democracy" noch in diesem Jahr erscheinen. Dieses Versprechen konnten sie dann auch schließlich einlösen.

AC/DC hatten sich nach "Stiff Upper Lip" ganze acht Jahre Zeit gelassen. Zwar konnte man die Band immer wieder bei Auftritten, unter anderem im Vorprogramm der Stones, oder aber zusammen mit Steven Tyler von Aerosmith bei der Aufnahme von AC/DC in die "Rock and Roll Hall of Fame" sehen - ein Studioalbum aber war seit 2000 nicht mehr erschienen. Im April 2008 wurden dann aber die Gerüchte um einen Nachfolger von "Stiff Upper Lip" bestätigt. Die Band kündigte zudem eine Welttournee ab Oktober 2008 an. Ab dem 10. Oktober 2008, Punkt 21:00 Uhr startete in Deutschland der Vorverkauf für die Konzerte hierzulande und in sage und schreibe 12 Minuten waren alle ausverkauft. Auch die Karten für die fünf Stadion Konzerte 2009; 300.000 an der Zahl; waren in nur 77 Minuten weg: Weltrekord! Das neue Album "Black Ice" kam schließlich am 17. Oktober in Deutschland und drei Tage später weltweit in die Läden. Auf Anhieb schoss das Album in 29 Ländern an die Spitze der Albencharts und plötzlich hörte man in den sonst so konservativen Radiostationen wieder harte Rockklänge. Mit AC/DC verbinden viele Menschen die ersten Erfahrungen in Sachen Rock. Für die Musikgeschichte aber sind sie ein Meilenstein, der diese Klänge auch noch in die heute so "verpoppte" Zeit transportiert.


2009 - Harte Schläge und Stagnation

Schon seit Jahren klagte die Musikindustrie, wenn auch auf hohem Niveau, über Stagnierende Verkaufszahlen. Vor allem die noch immer hartnäckige Szene der Raubkopierer, die mit dem Anwachsen des Internets ganz neue Dimensionen erreicht hatte, machte dieser schwer zu schaffen. So war es auch nicht verwunderlich, dass man mehr und mehr der alten Hasen wieder ans Tageslicht zog und sie wieder auf den Bühnen haben wollte. "Die wissen schließlich wo der Hase läuft." So dachte man vermutlich auch bei Michael Jackson, der schon im letzten Jahr überraschend sein Comeback und zugleich seine letzten beiden Konzerte bekannte gegeben hatte. Er wollte diese unbedingt, vor allem für seine Kinder machen, damit sie ihn selber einmal live auf der Bühne erleben konnten. Millionen Fans rund um den Globus verfielen aufgrund dieser Nachricht in Hysterie und entsprechend schnell reagierte das Management. Aus zwei wurden zehn, aus zehn ganze fünfzig Konzerte, die Michael Jackson selber sicher nicht gewollt hat. Die Karten gingen rasend schnell über den Tisch, das Interesse war riesig. Umso schlimm traf es dann alle: Fans wie Freunde und auch Management. Am 25. Juni 2009 wurde der Tod des King of Pop bekannt gegeben. Angeblich starb er an einer Überdosis Medikamenten, ein Umstand, der bis heute für Verwirrung sorgt.

Während die Welt über den Tod Michael Jacksons spekuliert und trauert, drehte diese sich weiter - auch musikalisch. Der "Boss" brachte bereits seit 1973 regelmäßig Alben heraus und so beehrte er uns auch 2009 wieder mit einer Platte namens "Working on a dream", die auch in Deutschland an die Spitze der Charts driftete. Bon Jovi rockte weiterhin die Hallen und auch die Musikläden und schuf mit "The Circle" einen weiteren Meilenstein in der Geschichte der Band und während noch alle über die Qualität des Comebacks von Robbie Williams diskutierten, brachten 80er Jahre Bands mit großem Tamtam neue Alben heraus:
U2 standen eine Woche lang mit "No Line on the Horizon" an der Spitze der deutschen Albencharts, gefolgt von Depeche Mode mit "Sounds of the Universe" im Mai und a-ha mit "Foot of the Mountain" im Juni 2009. Einen rockigen Kracher aber legten wieder einmal Green Day hin. Nach dem wirklich furiosen Erfolg von "American Idiot" im Jahre 2004 kamen die Amerikaner wieder zurück. "21st Century Breakdown" war von den Fans sehnlichst erwartet worden und schoss gleich nach der Veröffentlichung auf Platz eins der Albencharts in Deutschland, Österreich, der Schweiz, Großbritannien und den USA. Ein Megaerfolg, welche Green Day mit der "21st Century Breakdown World Tour" und 130 Konzerten weltweit krönten.

Eine typische Erscheinung, nicht nur der Neuzeit, ist eine als "grass-roots movement" bekannte, in Deutschland unter dem Terminus "Basisbewegung" gebräuchliche, Initiative. Sie geht immer von Einzelpersonen aus und gerade in Zeiten, in welchen das WWW und die sozialen Netzwerke boomen, brechen sich immer mehr und mehr solcher Bewegungen Luft. So auch 2009 während der Show "X-Factor". In eintöniger Regelmäßigkeit stehen Gewinner von Castingshows nicht nur in Deutschland, sondern auch in anderen Ländern, wie etwa Großbritannien auf Platz Eins der Singlecharts. Dieser Umstand wurde von zahlreichen Leuten kritisiert und 2009 brach sich dann diese Kritik in einem "grass-roots movement" Luft. Via Facebook riefen zahlreiche Menschen dazu auf dafür zu sorgen, dass der Titel "Killing in the name" von Rage against the Machine auf Platz eins der Singlecharts steigt. Ziel war es, den damaligen Gewinner von "X-Factor" von Platz eins der Weihnachtscharts zu drängen.


2010 - Harte Jahre, weiche Frauen

Das Jahr 2010 musikalisch zu beleuchten und zu bewerten fällt recht schwer. Nach den furiosen ersten Debütsingles tingelt Lady GaGa in ihrem typischen Stil durch die Welt und man könnte meinen sie ist mit König Midas verwandt. Der machte auch alles was er anfasst zu Gold. Gold gab es natürlich auch für Deutschland. Zum ersten Mal nach vielen Jahren schaffte ein nettes kleines Mädchen aus Hannover das, was vielen anderen vorher verwehrt geblieben war: Sie gewann mit "Satellite" den 55. Eurovision Song Contest für Deutschland.

Während sich die bei Popstars gecastete Girlband Monroes nach gerade mal 5 Jahren wieder auflöst, können andere Bands über solche Zeiträume nur milde lächeln. Die Scorpions, Deutschlands Vorzeige-Rockband sind bereits seit 45 Jahren auf den Bühnen dieser Welt unterwegs und nicht nur in Deutschland, sondern weit über diese Grenzen hinaus bekannt. Mehr als 5.000 Konzerte in über 80 Ländern und 16 Studioalben, verkündet die Band am 24. Januar 2010, dass sie sich nach dem jetzt anstehenden Album und der Welttournee auflösen werden. Sie möchten gerne in Würde abtreten und ihre Sache "sauber" hinterlassen. Am 19. März schließlich kommt "Sting in the Tail", das 17. Studioalbum in die Läden und schießt sofort auf Platz zwei der Media Control Charts ein. In den Billboard Charts kommt die Scheibe sogar bis auf Platz 23. Der Song "Raised on Rock" stieg auf Platz zwei der Classic-Rock Mediabase Charts ein und gehörte 2010 zu den am meist gespielten Liedern der US-Rock-Radio Stationen. Bis 2012 soll es etwa 200 Konzerte rund um den Globus gehen, bevor sie dann endgültig in die Rockerrente gehen. Als Deutschlands-Vorzeigerocker Nummer eins.


 

60er Jahre # 70er Jahre # 80er Jahre # 90er Jahre # Neuzeit