Ein in meinen Augen existenzieller Bestandteil eines erfolgreichen Webradios ist eine sehr gute Kommunikation. Dazu gehört es, den Moderator bei einem ersten Gespräch am Telefon oder vielleicht sogar persönlich abzuklopfen, ihm die richtigen Fragen zu stellen und zu erkennen, welcher Typ er ist. Natürlich neigen die Leute bei einem ersten Gespräch dazu, immer nur die besten Seiten an sich hervor zu stellen. Das ist normal und die herausfordernde Aufgabe eines Sendeleiters ist es nun, auch die schlechten Seiten herauszufinden und genau diese abzuwägen. Passt dieser Mensch ins Team, passen seine Einstellungen, Wünsche, Pläne und Ideen mit denen des Radios und damit auch des Teams überein? Nirgendwo sonst als wie in einem persönlichen Gespräch kann man so viel über den Gegenüber erfahren. Ein Beispiel hierfür sind die immer mal wieder gerne zitierten Hörerzahlen. Wenn in meinem noch recht unbekannten Radio nicht so viele Hörer im Schnitt zuhören, dann ist das so. Deswegen muss man sich aber keinesfalls verstecken. Wichtig ist doch, welche Ideen, Visionen und Pläne man hat und ob man andere mitreißen kann. Wenn dem Sendeleiter das bei einem guten Bewerber gelingt, hat er ein weiteres Teammitglied. Dieses kann sich nun selber ein Bild machen, ob es mit dem Radio wirklich weiter geht. Kommt jetzt ein Bewerber, der ausschließlich auf die Hörerzahlen schaut, kann es schnell Unruhe im Team geben. Im Leben ist es nun mal so, dass man nicht alle Meinungen und Interessen unter einen Hut bekommt. Die Annäherung und Kompromissbereitschaft ist an dieser Stelle sehr wichtig. Fehlt diese bei einem Bewerber, kann er nicht ins Team passen. So gut er dann auch ist, kann ich nur abraten. Ein schlechtes Bauchgefühl bestätigt sich meist.
Bewerber, welche die gleichen Eigenschaften wie man selber an den Tag legen, sind meist sehr gut geeignet. Selbstverständlich sollte man auch Kompromisse und Abstriche machen können. Einen 100% passenden Bewerber für das eigene Projekt wird es nicht geben und man sollte auf keinen Fall davon ausgehen, dass Bewerber oder Moderatoren mit dem gleichen Elan und der selben Begeisterung bei eben diesem Projekt sind wie man selber das ist. Es ist und bleibt dein Radio und keiner wird so eine enge, man kann beinnahe sagen Beziehung dazu aufbauen wie du selber. Verlange also niemals, weder in Bewerbergesprächen, noch in Gesprächen mit Moderatoren, zuviel. Solche Sachen können sehr schnell nach hinten losgehen.
Das Gleiche gilt im Übrigen auch für Ideen. Wenn ein Moderator Ideen einbringt, nicht gleich auf den Zug aufspringen, aber auch auf keinen Fall sofort alles abwiegeln. Die beste Lösung ist, die Idee aufzunehmen und darüber nachzudenken. Nicht sofort umsetzen, sondern überlegen, abwägen. Passt es in dein Projekt, zu deinen Zielen, bringt es das Radio voran? Sollte es überhaupt nicht passen, dann auf keinen Fall dem Moderator keine Rückmeldung geben. Lieber sagen, dass man nach reiflicher Überlegung entschieden hat, die Idee mal nach hinten zu stellen. Sie wird nicht vergessen oder ad akta gelegt, sondern lediglich verschoben. Ggf. kommt der Zeitpunkt, an dem genau eine solche Idee umsetzbar und sinnvoll ist. Dieses Vorgehen hat mitnichten etwas mit „Bauchpinseln“ zu tun, sondern soll den Mitarbeiter motivieren, auch weiterhin Ideen einzubringen, ihm aber auch klar machen, dass nicht alles umsetzbar ist, man aber zugleich seine Ideen gut findet und ggf. später wieder aufgreift. Wenn dann ein Moderator mal mit einer unglaublich guten Idee das Radio wirklich voranbringt, kann es natürlich nicht schaden, ihm eine CD oder mal eine gute Flasche Wein zukommen zu lassen.
Natürlich liegen auch hier wie so oft Theorie und Praxis weit auseinander. Manchmal hat man Moderatorenbewerbungen vorliegen aus anderen Ländern und da gestaltet sich ein Treffen dann eher schwierig. Jedoch würde ich jedem Mailverkehr ein persönliches Gespräch per Telefon vorziehen. Man erhält durch diese Art der Kommunikation einen sehr guten Eindruck und erfährt bereits sehr viel von dem Anderen. Es ist schnell möglich, Differenzen beizulegen und Gemeinsamkeiten zu finden. Ein Treffen und sei es auch nur in naher Zukunft, sollte dennoch angestrebt werden.
Das Gleiche was für Einstellungs- und Bewerbungsgespräche gilt, kann auch für die Kommunikation innerhalb des Teams gelten. Ich habe in der Zeit als Leiter meines eigenen Radios immer bewusst die Kommunikation untereinander gefördert. Es ist wichtig, dass die Teammitglieder miteinander sprechen. Missverständnisse sind in einer Zeit mit Messangern, Foren und Boards schnell passiert. Ausräumen kann man das meist schon mit einem kurzen Gespräch per Telefon. Dazu später aber noch mehr!