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Die Geschichte der Rockmusik

Ein Rückblick auf 50 Jahre Rockmusik von Michael Grett

Inhalt


Einleitung

Ich möchte mit dieser Ausarbeitung weder Standards setzen, noch belehren und schon gar nicht wissenschaftlich analysieren. Was ich mit diesem Werk bezwecke ist, dem geneigten Leser einen Einblick in die Geschichte der Rockmusik zu geben und ihn vielleicht auch ein wenig zurück in seine eigene Kindheit zu versetzen. Eventuell wird der Ein oder Andere beim Lesen dieses Rückblicks einen "Aha-Effekt" erleben und an seine Jugend zurück denken. Für jüngere Leser kann diese Ausarbeitung aber auch Anregung, Inspiration oder aber einfach eine interessante Lektüre sein, die hilft zu verstehen und nach zu vollziehen. Auf jeden Fall sollte sie weder trocken sein, sondern ich habe hier im Gegensatz  zu vielen anderen Ausarbeitungen dieser Art versucht, mit Beispielen ein wenig aufzulockern. Jedenfalls hoffe ich, dass sich hier der Ein oder Andere wieder findet und diese Ausarbeitung euch eine Hilfe ist. In diesem Sinne wünsche ich viel Spaß beim Lesen und freue mich schon heute auf zahlreiches Feedback.

Euer
Michael Grett


Die frühen Jahre

Wenn man sich in die Anfänge des Rock begibt, dann kommt man um die 70er Jahre einfach nicht herum. Alles was wir heute landläufig als Rock bezeichnen, basiert letzten Endes auf den großen Machwerken jener Hochzeit des Rock. Schon in den 50er Jahren zeichnete sich ein erster Schritt in die Richtung aus. Mit Mischungen aus Country und Rhythm & Blues schuf zum Beispiel Bill Haleys die Schallplatte "Rock Around the Clock". Mit genau dieser verhalf er dem Rock N Roll zum internationalen Durchbruch. Natürlich muss man in dem Zusammenhang auch Künstler wie etwa Chuck Berry, James Brown, Little Richard, Buddy Holly und nicht zuletzt Elvis Presley nennen. Alle diese schafften die Anfänge, die Grundsteine sozusagen. Die Rockmusik jedoch unterscheidet sich maßgeblich von diesen ersten Anfängen. Der Rock N Roll bedeutet gegenüber dem Rock deutlich mehr Rhythmus. Für die Musiker unter euch kann man das noch etwas genauer differenzieren: Im Rock werden die Achtelnoten binär gespielt, also sozusagen "gerade", so wie man es aus der lateinamerikanischen oder auch der europäischen Musik kennt. Im Rock ’n’ Roll hingegen werden die Achtelnoten zwischen den Beats (zwischen den Viertelnoten) leicht nach hinten verschoben, so dass ein ternärer Rhythmus entsteht, den man auch Shuffle nennt. Um auch hier wieder einen Vergleich anzusetzen: Man kennt das aus dem klassischen Jazz. Das soll aber zum Thema Musiktheorie schon reichen.

Von den 50er Jahren und den Anfängen kommt der Rock N Roll in den 60er Jahren schon deutlich anders daher. Die Rockszene beginnt sich in diesen Jahren zu splitten. Wegbereiter der neuen Rockära sind allem voran natürlich die Beatles und die Rollings Stones. Beide unterscheiden sich schon sehr maßgeblich in ihrem Stil. Sowohl was das musikalische als auch das stilistische Auftreten angeht. Die Beatles sind seriös und prägen die Beatlastige Richtung der Rockmusik, während die Stones deutlich rauer und härter daher kommen. In der Zeitschrift "Rolling Stone" wurde der Song "(I Can’t Get No) Satisfaction" aus dem Jahre 1965 als englische Geburtsstunde des Rock bezeichnet. Eric Clapton, Jack Bruce und Ginger Baker gründeten 1966 schließlich die erste, sogenannte Supergroup in Sachen Rock. Als "Cream" vereinten sie Blues, Hard- und Psychedelic Rock. Damit waren sie nicht nur eine nächste Stufe in der Geschichte des Rock, sondern prägten mit ihrem Sound auch nachfolgende Generationen wie Led Zeppelin und Deep Purple.

Der Erfolg der Rockmusik war in den 60er Jahren nicht aufzuhalten, wenn auch hart umstritten. Gerade die konservativen Kräfte versuchten, diese Art der Musik zu verteufeln und im wahrsten Sinne des Wortes in eine satanische Ecke zu drängen. Aber gerade das rebellische Auftreten, die harten Riffs und zum Teil kompromisslosen Lyrics führten zu einer Bewegung, die eng mit der Hippie-Friedensbewegung der 60er und 70er Jahre verbunden war. Natürlich muss man an dieser Stelle sagen, dass auch die Rockmusik ihre Schattenseiten hatte: Es entstanden in diesen Jahren im Umfeld der Rockmusik Banden wie die Hells Angels, die ursprünglich amerikanische Motorradband, nun zunehmend gewaltbereit auftrat und dem Rock hohen Schaden zufügte.

Wie eben schon mal erwähnt, führten Generationskonflikte in den 60er und 70er Jahren, der kalte Krieg und nicht zuletzt der Vietnamkrieg zu einem immer größeren Zulauf zur Rockmusik. Es kam in den 70er Jahren zu einer immer größeren Bandbreite innerhalb der Rockmusik. Der populäre Folkrock mit Bands wie etwa Crosby, Stills & Nash & Young und Creedence Clearwater Revival entstand. Auch das Musical "Hair", das eigentlich als ein Meilenstein in Sachen Popmusik der späten 60er Jahre gilt, sei an dieser Stelle erwähnt. Popmusik und Rockmusik ließen sich in den 60er und 70er Jahren nur sehr schwer trennen und so ist es noch heute häufig. Sogar Musikexperten tun sich hier sehr schwer. Das lag vor allem daran, dass Rockmusik in den 70er Jahren einfach populär war und damit eigentlich schon wieder als Popmusik zu bezeichnen ist.


Die wilden 70er

Die schiere Anzahl der Rockmusiker in den 60er Jahren stieg rasant an und das führte natürlich zwangsläufig auch dazu, dass die Szene sich immer weiter auf splittete. Jeder Musiker und jede Band beanspruchte für sich, Gründer eines eigenen Genres oder Subgenres zu sein, so dass es heute auch schwer ist, die schiere Zahl der einzelnen Gruppierungen zu überblicken. Natürlich hatte auch die Musikindustrie daran einen großen Anteil. Schließlich wollte jeder an einer Bewegung etwas verdienen und daher forcierten die Labels entsprechend ihre Bands.
Parallel zur weiteren Entwicklung der Rockmusik entwickelte sich in den 70er Jahren die sogenannte Experimentalmusik, aus der später die ersten Punkbands entstanden. Allem voran sei hier "The Velvet Underground" mit Lou Reed an der Spitze genannt. Mit ihren provokanten Texten über Sadomasochismus, Transvestitismus und Drogensucht blieb sie während ihres Bestehens kommerziell erfolglos, werden aber heute als einflussreiche Vorreiter experimenteller Rockmusik angesehen.

In den frühen 70er Jahren entwickelte sich aus den Anfängen des Rock eine Richtung, die wir heute als Glam-Rock kennen. Die bekanntesten Vertreter des Genres waren Bands wie etwa Slade, The Sweet und T. Rex. Aus dieser Richtung des Rock entwickelte sich im Laufe der späten 70er und frühen 80er Jahren das, was wir heute landläufig als Popmusik bezeichnen. Viele Bands der 80er Jahre berufen sich musikalisch auf Bands aus diesem Genre.
Etwas erwachsener kommt eines der noch heute prägendsten Genres des Rock daher: Der sogenannte Prog-Rock. Die Vertreter dieses Genres erlangten im Laufe der Jahre Ruhm, der noch bis heute anhält und der uns zahlreiche, zeitlose Klassiker brachte. Bands wie Pink Floyd, Emerson Lake and Palmer, Queen und Roxy Musik, Künstler wie David Bowie oder Elton John sind teilweise noch heute aktiv und vertreten das Genre, wenn auch mit leichten Abwandlungen in Richtung Popmusik. Nicht vergessen darf man natürlich in dieser Riege die Band Genesis, die vor dem Eintritt Phil Collins 1977 maßgebliche Präger des Progressive Rock waren. Insbesondere das Album "The Lamb Lies Down on Broadway" aus dem Jahre 1974 wird heute als eines der besten und wegweisensten des Prog-Rock bezeichnet. In Deutschland, Österreich und der Schweiz weitgehend unbeachtet, brachte es die Band in den USA weit nach vorne.

Auf der anderen Seite, neben den sich gerade entwickelnden Subgenres des Prog- und Glam Rock existierte bereits seit einigen Jahren eine weitere Szene. Diese sehr rebellische, aus den Stones hervorgegangene Richtung kam als Gegenbewegung zu der eher friedlich wirkenden Hippie-Bewegung daher und provozierte durch Auftreten und auch die neue Härte in ihrer Musik. Die Sex Pistols, Black Sabbath, Kiss, AC/DC oder die Ramones versuchten nicht nur zu provozieren und zu skandalieren, sondern sie schafften es auch. Während die Bewegungen um Genesis und The Sweet nach und nach auch gesellschaftlich akzeptiert wurden, fristeten die "Harten Rocker" zunächst ein Nischendasein.

Natürlich gab es nicht nur die "Harten" und die "Zarten" unter den Rockern, sondern auch zahlreiche Bands, die sich irgendwo dazwischen ausbreiteten und mit ihrer Musik sowohl provozierten, als auch zum nachdenken anregten. Diese Bands schafften es trotz einer gewissen Härte, kommerziell erfolgreich zu werden, im Gegensatz zu den Vertretern der harten Schiene. Zu nennen sind an dieser Stelle allen voran Bands wie etwa Status Quo, Led Zeppelin, Deep Purple, Nazareth, Patti Smith oder Aerosmith. Vor allem letztere hatten in den 70er Jahren Erfolg durch eine Art des Rock, die sehr viel des alten Blues enthielt.

In den späten 70er Jahren war eine mehr und mehr kommerzielle und vor allem elektronische Ausprägung der Rockmusik spürbar. Es flossen zahllose Musikstile früherer Jahre wie etwa Jazz, Reggea und Soul mit ein und veränderten die Rockmusik nachhaltig. Michael Jackson ist hierfür ein sehr gutes Beispiel, der mit seinen "Black-Music" Wurzeln eine sehr erfolgreiche Verbindung zur Rockmusik schaffte. Nachhaltige Veränderung in Sachen Digitalisierung schufen allen voran Pink Floyd, die sehr viel Engagement in das Arrangement ihrer Platten legten und dieses bis hin zum Perfektionismus steigerten. Etwas abseits davon entwickelten sich, vor allem aufgrund der zunehmenden Digitalisierung der Musik Bands wie Kraftwerk oder Can, die als Begründer des Krautrock den Grundstein für die elektronische Popmusik legten.

 

Einen tiefen Einblick in die 70er Jahre finden Sie hier.


Die Generation "Brotkasten"

Die ersten Jahre der 80er brachten eine große, stilistische Veränderung der Rockmusik mit sich. Nach und nach ebbte das Interesse an Rock ab und zunehmend prägte und forcierte sich der Geschmack an der neuen Popmusik. Das hier natürlich auch einige Rockgruppen mit schwammen ist verständlich und so kam es dazu, dass Bands wie Def Lepard, Europe und natürlich Bon Jovi zunehmend Rock und Pop zum "Pop-Metal" mischten. Damit trafen sie den Nerv der Zeit und erhielten sich, so wie beispielsweise Bon Jovi, bis heute eine riesige Fangemeinde.

Die Hochphase des Punk hatte auch in den frühen 80er Jahren ihr Ende erreicht. Auch in Abgrenzung des eigentlichen Punk entstand der sogenannte Post-Punk, der mit Gruppen wie Joy Division oder The Cure seine Vorreiter hatte. Beide waren Inspiration und maßgebliche Wegbegleiter der New-Wave Welle, einer opulenten, aber sehr kühlen Richtung. Dunkle, monotone Stimmen und durch Bands wie Kraftwerk inspirierte synthetische Klangelement flossen in die Musik ein. Der Grundstein für den Synthpop und die gesamte spätere Entwicklung der elektronischen Tanzmusik wurde in diesen Jahren gelegt. In der Hochzeit des Synthie schwangen sich Bands wie Depeche Mode, OMD, The Buggles und New Order auf. Ultravox, Visage und Yazoo feierten zwischen 1979 und 1989 riesige Erfolge und prägten damit eine ganze Generation, die sich nun mehr und mehr von der eigentlichen Rockmusik abwandte.

In den 80ern forcierte sich auch immer mehr und mehr der Unterschied zwischen Rock und Pop. Es entstanden zahlreiche Subgenres, die später, in den 90er Jahren in der sogenannten Alternative-Richtung übergingen. Auch der Heavy Metal hatte in den 80ern, durch Bands wie Metallica, Motörhead und Iron Maiden seine Glanzzeit und bildete unzählige Unterarten, wie etwa den Trash Metal oder den durch Bands wie Helloween, Blind Guardian und Gamma Ray begründeten Power Metal.

Parallel zu dieser Entwicklung und in Ablehnung der überaus harten Gangart in Sachen Metal entwickelte sich der populäre Glam-Metal, der Elemente des Metal mit dem früheren Glam Rock verband. Interessante Vertreter dieses Subgenres sind unter anderem Alice Cooper, frühere Scheiben von Bon Jovi oder auch Poisen und Guns N’ Roses.

Überall auf der Welt entwickelten sich parallel zu den Entwicklungen in Europa und den USA unzählige Ausprägungen des Metal und Rock. Wichtige Vertreter, die ich an dieser Stelle auch nicht unerwähnt lassen möchte sind unter anderem Sepultura und Vulcano aus Brasilien, oder die Begründer des Death Metal Morbid Angel oder Possessed, deren Musik gegenüber dem Tash Metal noch einmal eine Spur härter wirkt.

An der Grenze zwischen Rock und Pop blieben einige Bands jedoch auch weiterhin sehr erfolgreich. Ihre Musik ist ebenso zeitlos wie schwer einzuordnen. Die Simple Minds, U2 oder auch The Cure und R.E.M. gehören zu genau diesen Vertretern.

 

Einen tiefen Einblick in die einzelnen Jahre dieses Jahrzehnts gibt es hier.


Ein Ausflug in den Metal

Zu Anfang der 90er Jahre gab es einmal in einem Magazin namens "Rock Hard" einen interessanten Beitrag der da lautete: "Ist der Metal tot?". Die provokante Frage war nicht umsonst gestellt, dominierte doch in der Musikbranche vor allem Pop, Techno, R&B und Hip-Hop. Mehr oder weniger im Untergrund ging es weiter und es setzte eine unvergleichliche Stilexplosion ein, wobei sich wieder einmal die skandinavische Szene als domminierend und führend erwies. Das lag nicht zuletzt daran, dass sich die Fans dort wenig an den neuen Wellen orientierten. Hohe, wenn auch negative Popularität erlangte die sich weltweit im Untergrund entwickelnde Szene 1991, als der Suizid des Mayhem-Sängers Per Yngve Ohlin sozusagen zur Gründung des Black-Metal führte. Der theistische Satanist Euronymous prägte das Gedankengut des Black Metal ganz entscheidend und gilt auch als "Vater" der Bewegung mit Bands wie Darkthrone, Immortal und Burzum. Weniger populär trat die Szene Mitte 91 in Erscheinung, als Varg Vikernes von Burzum gegenüber einer Zeitung mit Kirchenbrandstiftungen prahlte. Im Mainstream Norwegens erlangte die Band Dimmu Borgir eine gewisse Bekanntheit, wurde aber von der internationalen Undergroundszene eher spöttisch belächelt.

Neben dem Pagan-Metal und dem Viking Metal, der aus dem Black Metal hervorgegangen war, gründeten sich vor allem in den 90er Jahren zahllose weitere Stile. Den Grundstein für den später so populären Mittelalter-Rock legte die schwedische Band Bathory mit ihren Alben Blood Fire Death, Hammerheart und Twilight of the Gods, auf denen sie Elemente klassischer Musik und skandinavischer Folklore in ihre Musik integrierte. Das erste Folk-Metal-Album war The Wayward Sons of Mother Earth, das 1991 veröffentlichte Debütalbum von Skyclad aus Newcastle, das Thrash Metal mit Einflüssen von Bands wie New Model Army oder Thin Lizzy kombinierte und erstmals im Metal die Fiddle als Leadinstrument einsetzte.

Dieser Stil gewann zunehmend größere Bekanntheit und ist seit Mitte der 90er Jahre nicht mehr aus der Musik wegzudenken. Neben eher unbekannten Vertretern wie etwa Finntroll oder Elvenking traten 1997 In Extremo und 1991 Subway to Sally ins Rampenlicht.


Pop oder Rock? Fragen der 90er

Während die 80er Jahre eine Hochzeit des Rock erlebten und hier insbesondere der Pop-Metal eine nie gedachte Welle des Erfolgs durchbrach, war der Untergang schon beinahe vorprogrammiert. Es entstand der Post Punk mit Bands wie Joy Division und The Cure als Abgrenzung der älteren Punkbewegung, elektronische Beats traten mehr und mehr in den Vordergrund und brachten die neue Synthipopwelle hervor und der Mainstream wurde von der Musikindustrie mehr und mehr forciert. Das führte natürlich zwangsläufig auch dazu, das viele großartige Bands dieser Tage, die sich stilistisch vom modernen Mainstream und dem Pop-Metal abwandten, in den Hintergrund gerieten. Allen voran ist hier die skandinavische Rockszene zu nennen, die in den 80er Jahren großartige Bands wie etwa Bad Habit hervorbrachten, die es aber aufgrund neuer Popwellen nie ganz nach vorne schafften. Zumindest nicht auf der internationalen Bühne. In heimatlichen Gefilden hielt man diese Art der Musik nach wie vor hoch und so ist es beinahe gänzlich dieser zu verdanken, dass wir auch heute noch auf solche Musik zurück greifen können.

Europe, Def Lepard und Bon Jovi gingen den Weg des Pop-Metal. Sie wollten ihre Wurzeln halten und zugleich erfolgreich sein. Parallel zu den erfolgreichen Bands der Popwelle, der aufkeimenden Technobewegung und der neuen deutschen Welle schleiften sich am Rande dieser Genres Bands wie Big Country, Simple Minds, U2, R.E.M. oder The Cure mehr oder minder erfolgreich durch und schaffen dies zum Teil auch heute noch.

Anfang der 90er Jahre kam eine Welle wieder nach oben, mit der eigentlich schon keiner mehr gerechnet hatte. Vielmals wird vermutet, dass die sogenannte "Grunge" ein Produkt der 90er Jahre ist. Allerdings hat sich bereits Mitte der 60er und 70er Jahre dieser als "schmutziger" Sound bezeichnete Musikstil behauptet. Mit weniger "glatten" Riffs, rohen und teilweise ungeschliffenen Sounds und einer Verbindung der harten Sounds des Metal mit den Lyrics des Punkrock, hob sich das Genre immer weiter heraus. Waren in den frühen Jahren vor allem Bands und Künstler wie Neil Young, The Stooges und The Velvet Underground als experimentierfreudig bekannt, übernahmen nach und nach auch andere Bands den rohen Klang. Die Musik war unkonventionell und unabhängig, weil im Studio kaum bearbeitet, ließ sich nirgendwo einordnen und prägte vor allem Ende der 1980er und Anfang der 1990er- Jahre die Musikszene aus Seattle. Daher wird sie auch häufig als "Seattle-Sound" bezeichnet.

Mit Bands wie Nirvana, Pearl Jam, Alice in Chains oder Soundgarden wurde "Grunge" schnell in der ganzen Welt ein Begriff und begann, immer mehr an Popularität zu gewinnen. Der große Hype in Sachen Grunge begann promot und änderte jedoch ebenso jäh: 1991 erschien das zweite Album von Nirvana, Nevermind. Mit "Smells Like Teen Spirit" war der Hype in Gang gesetzt worden und weltweit nicht mehr aufzuhalten. Das führte dazu, dass man Bands unter Vertrag nahm die bis dato keine Bedeutung hatten und Bands bei Independent-Labeln an größere Labels weiter reichte. Das unkonventionelle der Szene wurde aber auch zu ihrem Verhängnis, denn die Kommerzialisierung der Szene nahm immer größere Formen an. Zum markanten Bekleidungsstück dieser Szene wurde das Flanellhemd, das heute zumeist belächelt, sich in Seatlle und Umgebung aber noch immer großer Beliebtheit erfreut.

Ebenso schnell wie die Grunge Welle gekommen war, verschwand sie aber auch wieder: Der Tod des Sängers Kurt Cobain im April 1994 und die immer größer werdenden künstlerischen und persönlichen Differenzen innerhalb einiger Bands, bedingt auch durch den hohen Druck von außen, führten zum raschen Niedergang. In der Folge wurde Grunge von der Musikindustrie durch den Begriff Alternative ersetzt und öffnete damit das Genre für nahezu jede Band und zahlreiche neue, stilistische Versionen. Die eigentliche Grunge ging nach dem Tod Cobains wieder in den Untergrund.

Aber auch der Grunge konnte in den 90er Jahren des Rock und auch den Metal nicht aufhalten. Anfang der 90er Jahre starteten Guns N' Roses ihre weltweite Tour "Use Your Illusion". Sie gehörten zwar zu den wenigen, wirklich erfolgreichen Gruppen der 90er, hielten aber die Fahne weiterhin nach oben. Inmitten der 90er Jahre entstanden neue Wellen, wie etwa die durch Bands wie Bad Religion, The Offspring und Rencid geprägte Neopunk-Welle. Die Dominanz des US-amerikanischen Grunge und Alternative Rock brach schließlich die sogenannte Bitpop-Welle. Hier kamen Bands wie Blur, Pulp und auch Oasis daher und mischten Einflüsse des Rock der 60er und 70er mit Elementen des Alternative und beeinflussten maßgeblich die Rockszene der ausgehenden 90er Jahre.

Das sich in den Jahren zwischen 1990 und 1999 eine neue Dekade der Rockmusik entwickelt hatte, zeigte der Aufstieg von Bands wie Korn, Limp Bizkit und Slipknot. Sie prägten die Nu-Metal Welle, die nicht zuletzt durch Crossover Bands wie Rage Against the Machine den Weg geebnet bekommen hatten. Das neben den zahllosen Boygroups der 90er Jahre das Interesse an der Rock- und Metalmusik nie abebbte, zeigten nicht zuletzt neue Besucherrekorde auf zahllosen neuen Festivals wie etwa dem Hurricane Festival, Wacken Open Air, Rock im Park und With Full Force, oder aber dem Lollapalooza in den USA. Einen Zuschauerboom erlebten auch das Bizarre-Festival, Rock am Ring sowie im Ausland etwa das Roskilde-Festival in Dänemark oder das Dynamo Open Air in den Niederlanden. Auch große Umwälzungen wie der Fall der Berliner Mauer wurden durch ein Rockfestival, dem berühmten "The Wall" von Roger Waters Band Pink Floyd begleitet.

 

Mit einem tiefen Blick in dieses Jahrzehnt könnt ihr hier noch einmal Jahr für Jahr neu erleben.


Die Neuzeit und ein Revival?

Und das neue Jahrtausend? Das ist, 50 Jahre nach dem ersten Auftreten des Rock N Roll geprägt von einer großen Retrowelle. Mit Bands wie The Strokes, The Fratellis, Kings of Leon, The Subways, Mando Diao, Wolfmother, The White Stripes oder auch Franz Ferdinand, die auf typische Elemente früherer Jahre zurück greifen. Sie bringen uns erneut die gute alte Zeit zurück. Während nach wie vor zahlreiche alte Größen durch die Lande touren und heute wieder sehr erfolgreich sind, bauen andere Bands, wie etwa The Hives oder The Libertines auf alte Werte bekannter Punktgrößen auf. Ob Metallica, ACDC, Journey, Bonfire oder sogar die Eagles und The Rolling Stones: Sie alle haben die schweren Zeiten der 80er und frühen 90er Jahre überdauert. Sie überstanden die Grunge-Welle, die überdauerten auch die Technobewegung und den Dance-Hype.

Natürlich sind es nicht nur die alten Bands und Künstler, welche unsere Tage wieder angenehm machen. Nein, inzwischen drängen auch die jungen wilden auf die Bühnen und wenn man sich ein wenig genauer umschaut bemerkt man, dass hier und da, wenn auch teilweise noch verborgen, zarte Pflänzchen blühen, die irgendwann einmal den ganz großen Erfolg schaffen können. Angefangen von der Pop-Rock Queen P!nk, die es natürlich bereits international geschafft hat, bis hin zu schwedischen Newcomern wie Reckless Love. Alle haben auf jeden Fall eine Sache gemein: Sie rocken die Hallen und es bleibt zu hoffen, dass durch sie der Rock in all seinen Ausprägungen nicht nur erhalten bleibt, sondern irgendwann einmal ein furioses Revival feiern wird.

Interessanterweise lässt sich aus eigener Erfahrung immer wieder eine Feststellung machen: Egal wo man hinschaut und hingeht, es zeichnet sich ein gewisses Comeback ab. Natürlich darf man weder auf Festivitäten oder im Radio wirklich sagen das man jetzt Rock spielt. Dann schalten häufig viele ab, weil sie Rock vielleicht mit Metal verwechseln und das "harte Zeug" einfach nicht hören möchten. Oder sie denken an die Stones und die mögen sie sowieso nicht. Sagt man jedoch nicht vorher an, dass nun ein Rocktitel folgt und spielt diesen einfach, so ändern sich auf einmal die Meinungen rapide. Plötzlich war der Song gut, die Riffs genial und so weiter und so fort. Populär ist sicher etwas Anderes, aber wir wollen schließlich keinen Pop, sondern eben Rock.


Quellenangaben

  • www.wikipedia.de
  • www.laut.de
  • www.was-war-wann.de
  • www.mix1.de
  • www.laut.de
  • Phil Collins: Phil Collins Anthology. Hal Leonard Publishing, 2001, ISBN 0-634-02064-1
  • Beatles gegen Rolling Stones : Die großen Rock 'n' Roll-Rivalen,  ISBN 978-3-85445-347-5
  • Bill Haley : Father of Rock'n'Roll, ISBN 978-3-86683-901-4
  • More than 50 years: Die Geschichte der Rock- und Popmusik, ISBN-10: 3833468386
  • Definitive Encyclopedia of Rock, ISBN-10: 1844515214

Download und rechtliche Hinweise

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