„Verantwortlich ist man nicht nur für das,
was man tut,
sondern auch für das,
was man nicht tut.“
Dieser Spruch stammt von Lao Tse, einem chinesischen Philosophen aus dem 6. Jahrhundert vor Christus und ist noch heute so aktuell wie vor mehr als 2.500 Jahren. So wie man mit einem eigenen Kind, einer eigenen Familie, einem eigenen Auto und einem Job Verantwortung übernimmt, tut man das auch mit einem eigenen Radio. Es ist nicht einfach nur ein Hobby wie viele immer sagen, sondern es ist genau an dieser Stelle deutlich mehr. Die Verantwortung für ein Team unterscheidet dieses Hobby ganz deutlich von allen anderen. Briefmarken sammeln und Eisenbahnbau kann man auch alleine. In diesem Bereich, sobald man einen Moderator in seinem Radio senden lässt, übernimmt man Verantwortung. Nicht nur dafür was der Moderator tut, sondern auch dafür, was er nicht tut. Unterlässt er beispielsweise das saubere taggen seiner Songs, ist man dafür genauso verantwortlich wie für Moderationen, die er über den Stream schickt.
Oft wird angemerkt, dass man durch Moderatorenvereinbarungen Verantwortung von sich schieben kann. Das mag in gewisser Weise und in einem geringen Maße auch richtig sein, aber letzten Endes übernimmt man an vorderster Front Verantwortung für das, was in seinem eigenen Projekt geschieht. Jeder Kläger wird zunächst einmal gegen den Inhaber gehen, jegliche Beschwerde landet zunächst einmal beim Radiobesitzer, ob schuld oder eben nicht. Es geht um die Verantwortung nach außen. Radiomachen bedeutet eben nicht nur cool sein. „Hey, ich hab nen eigenes Radio!“ Es bedeutet in erster Linie harte Arbeit und Verantwortung. Jeden Tag, jede Stunde und jede Minute.
Nun ist man ja nur Mensch. Menschen neigen zu Fehlern und das ist menschlich, ebenso wie Nachlässigkeit, Demotivation und ähnliche Ärgernisse, die einen schnell mal aus der Fassung bringen können und auch zurück werfen. Daher ist es schon zu Beginn, gleich zum Start des Radios wichtig, sich der Verantwortung bewusst zu werden, die man auf sich nimmt. Man kann für sich selber den Stress minimieren, indem man die Führung übernimmt. Das bedeutet auch, Verantwortung zu delegieren. Das wiederum setzt ein hohes Maß an Vertrauen voraus. Ein Beispiel:
Als Sendeleiter kann ich mich nicht mehr um die Bewerber kümmern. Das Anschreiben, die langen Telefonate, das auswählen der Bewerber und so weiter nimmt so viel Zeit in Anspruch, die ich eigentlich für andere Dinge benötige. Ich gebe einem Mitglied des Teams, dem ich vertraue, diesen Prozess in die Hand und lasse ihn das in Eigenverantwortung übernehmen.
Schon habe ich Arbeit delegiert. Das Beispiel zeigt bereits, wie hoch das Maß des Vertrauens gehen muss, um eben solche Arbeit abzugeben. Vertrauen muss man lernen, das kommt auch nicht von heute auf morgen und insbesondere in einem Bereich, in dem man die Menschen meist nicht kennt mit denen man zu tun hat, ist das Lernen ein langer und oftmals steiniger Prozess mit zahlreichen Rückschlägen. Hier und auch bei allem weiteren gilt jedoch: Nicht entmutigen lassen!
Wichtig aber ist, dass man sich darüber im Klaren ist, was es heißt, ein Radio zu leiten. Es ist Verantwortung gegenüber sich selber, den Moderatoren und den Hörern. Man stelle sich mal vor: Ein Radio. Ein Medium, das theoretisch hunderte, tausende, ja sogar Millionen Menschen erreichen kann und einen Moderator, der rechtsradikale Parolen über den Stream lässt. Unabhängig vom Tatbestand, damit sollte klar sein, was es heißt, Verantwortung zu übernehmen. Natürlich, auch das ist klar, kann ich als Inhaber und Sendeleiter nicht jede Sendung hören, aber ich kann im Vorfeld genau solche Dinge versuchen, nach bestem Wissen und Gewissen auszuschließen. Keinem potenziellen neuen Radiomacher soll Angst werden, aber die Gewissheit, welche Verantwortung man übernimmt, sollte geweckt sein. Man sollte diesen Dingen sensibel gegenüberstehen und sich dessen ganz bewusst sein und das, BEVOR man ein Radio eröffnet.